Expedition Down Under


Meine Rikschafahrt in Ho Chi Minh City

Feb
25

Hey!

Da das mit dem Schreiben immer ein bisschen bei mir dauert (trotz gutem Vorsatz zum neuen Jahr) dachte ich mir, dass ich euch mal ein paar bewegte Bilder praesentiere.

Hier ist ein kleiner Eindruck von den Strassen in Ho Chi Minh City (Vietnam).

Meine Rikschafahrt in Ho Chi Minh City

Teufel und Tiger

Feb
11

Jetzt ist’s mal wieder so weit. Der naechste Bericht ist fertig und ich glaube, dass es der laengste ist, den ich bisher verfasst habe. Es gab aber auch einiges zu berichten und ich hoffe, dass die ganze Sache nicht zu langatmig geworden ist. Ich habe jetzt einfach ein paar Berichte uebersprungen um Euch mal wieder was aktuelleres bieten zu koennen. Die fehlenden Berichte werde ich aber noch nachreichen und auch schauen, dass ab und zu mal wieder ein aktueller Bericht dabei ist. Und jetzt viel Spass (oder was auch immer) beim lesen!

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Es war 21.30 Uhr am Dienstag, den 06.01.2009. Eine frische Brise wehte mir durchs Haar und vor mir leuchtete die Skyline von Melbourne. Ich befand mich auf der “Spirit of Tasmania”, dem Schiff, das taeglich zwischen Melbourne und Tasmanien pendelt. Dies war mein erster Trip, den ich ganz alleine bestritt. Naja, eher gesagt nur der Ford Falcon, den mir mein alter Freund und Kupferstecher Hannes freundlicherweise fuer diesen Ausflug zur Verfuegung stellte und ich. Tasmanien ist eine Insel, die suedlich vom australischen Festland liegt und vor allem fuer seine duestere Vergangenheit bekannt ist. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts diente die Insel als britische Straeflingskolonie und war der Alptraum eines jeden Straftaeters. Doch das ist Vergangenheit und heutzutage zieht es die Leute vor allem wegen der vielfaeltigen Natur und den schoenen Wanderwegen hier hin.
Am Mittwochmorgen legte die Spirit of Tasmania nach einer etwa zehn stuendigen Fahrt bei strahlendem Sonnenschein im Hafen von Devonport an. Ich setzte mich in den frisch importierten Ford und fuhr los. Aber wohin genau? Die Welt, in diesem Fall eine Insel, die etwa so gross ist wie Oesterreich, stand mir nun vollkommen offen.
Am ersten Tag sollte erst einmal die Nordkueste erkundet werden und als erstes Ziel waehlte ich den Leven Canyon, der etwa eine halbe Autostunde von Devonport entfernt liegt. Doch ich brauchte dafuer fast die doppelte Zeit, denn etwa alle 200 Meter sah ich mich dazu genoetigt anzuhalten und ein Foto zu schiessen. Die Landschaft liess meine Augen erstrahlen und ich ueberlegte wie “Tassie”, wie es liebevoll genannt wird, aus der Vogelperspektive aussehen muss. Ich stellte es mir als eine komplett gruene Flaeche mit vielen blauen Punkten vor, denn wo ich auch hinfuhr war ich von Baeumen und Wiesen umgeben und immer wieder tauchten kleine Seen auf, die das staendige Gruen unterbrachen.
Nachdem ich die erste Fahrt auf tasmanischem Terrain hinter mir und auch den kurzen Fussmarsch zur Aussichtsplattform des Canyons zurueckgelegt hatte schaute ich eine 274 Meter tiefe Schlucht hinunter, durch die sich der Fluss Leven windet. Wenn ich den Blick nach vorne richtete sah ich nichts als gruene Berge. Und das schoene daran war: weit und breit war weder ein Mensch zu sehen, noch zu hoeren.
Nach einem ausgiebigen Fruehstueck, an dem auch ein Vogel teilnahm, der sich in einem Moment der Unachtsamkeit nach Herzenslust an meinem Brot bediente, setzte ich meinen Weg an der Nordkueste, entlang an tuerkisem Wasser und aussergewoehnlichen Felsformationen, fort. Als ich auf einem Felsen, der “The Nut” (Die Nuss) genannt wird, eine Runde drehte, hoerte ich ein Rascheln, das aus einem Busch kam. Der Sache wollte ich auf den Grund gehen. Vielleicht war ich ja sogar kurz davor den letzten Tasmanischen Tiger (Beutelwolf), der seit ueber 70 Jahren ausgestorben zu sein scheint, aufzuspueren. Als ich mit dem Fuss ein wenig im Gebuesch herumstocherte tat sich jedoch nichts. Doch kurz darauf sah ich wie etwas in einen Busch neben mir verschwand. Es hatte etwa die Groesse einer Katze und leider konnte ich es nur von hinten sehen (Ein Tasmanischer Tiger war es aber jedenfalls nicht). Meine Vermutung war, dass ich soeben einen Beutelteufel, besser bekannt unter dem namen “Tasmanischer Teufel”, zu Gesicht bekommen habe.
Zum Abend hin beschloss ich die duenn besiedelte und raue Westkueste Tasmaniens in Angriff zu nehmen. Eigentlich stand diese nicht auf meinem Reiseplan, doch das ungewoehnlich gute Wetter stimmte mich kurzfristig um. Rechtzeitig vor Sonnenuntergang erreichte ich den an der Westklueste liegenden “Peppermint Campingplatz”. Ich bekam Hunger auf Suessigkeiten, doch stattdessen bereitete ich auf einem Campingkocher ein Festmahl zu, das seines gleichen suchte. Es gab Suppe (mit Fleisch… immerhin) und Bohnen. Beides aus der Dose. Nachdem ich mir dann noch eine arschkalte Dusche goennte und den ersten Tag auf Tassie noch einmal Revue passieren liess (das Fazit fiel positiv aus) machte ich es mir in meinem Zelt bequem.
Nach einer windigen nach, in der dauerhaft die Kopfseite des Zelts gegen meine Ruebe klatschte (ich fuehlte mich ein wenig an die asiatische Foltermethode erinnert, bei der unaufhoerlich ein Tropfen auf die Stirn des zu Folternden tropft), setzte ich den Weg an der Kueste fort. Da diese Gegend vom Tourismus kaum befallen ist und auch sonst nicht so viele Menschen dort leben ist die Infrastruktur dementsprechend bescheiden. Das heisst: Schotterstrassen. Dies trieb meine Abenteuerlust aber noch weiter in die Hoehe. Neben der Abenteuerlust stieg vor allem aber auch mein Adrenalinspiegel an, als ich nach circa 25 Kilometern auf der unbefestigten Strasse spuerte wie die Reifen meines fahrbaren Untersatzes die Haftung verloren und ich auf die ueppige Vegetation am Fahrbahnrand zusteuerte. Doch gluecklicherweise konnte ich durch ein geschicktes Manoever den Bueschen entgehen… dachte ich. Das Lenkmanoever entpuppte sich dann doch als suboptimal, denn der Wagen drehte sich um etwa 200 Grad und letztendlich landete ich doch im Strassengraben. Zunaechst fluchte ich ein wenig, stieg aus (man konnte es eher klettern nennen) und betrachtete das Fahrzeug - fluchte erneut - schaute aufs Handy - kein Empfang. Ich schritt die Strasse hinab und analysierte die Reifenspuren. “Spektakulaer”, dachte ich mir. Da es aussichtslos war den Wagen wieder auf die Strasse zu bekommen und jeglicher Kontakt zur Aussenwelt abgeschnitten war hiess es nun warten bis jemand vorbeikommt. Ich setzte mich auf einen Hocker an den Strassenrand und ass eine Kaesestulle. Das beruhigte. Es dauerte auch garnicht lange bis ein Auto - jedoch etwas langsamer als ich zuvor - um die Kurve kam. Nach einer kurzen Beratschlagung stieg ich in das Auto der beiden Australier um in einem Ort einen Abschleppdienst rufen zu koennen. Die Richtung war zwar zunaechst die falsche, aber man konnte ja nicht ahnen wann das naechste Auto die Stelle passiert. Irgendwann begegnete uns aber ein Auto und es ging nun wieder in die andere Richtung. Mein neuer “Chaufeur” war Deutscher. Was fuer ein unglaublicher Zufall! Naja, besonders ueberraschend war das nicht, denn manchmal hat man den Eindruck, dass sich mehr deutsche in Australien herumtreiben als Kaengurus und Australier zusammen. Waehrend der Fahrt machte ich mir Gedanken wie ich jetzt ohne Fahrzeug weiterreisen soll. Und vor allem: wie ich das Hannes erklaeren soll.
Meine Laune hellte sich fuer einen kurzen Moment ein wenig auf als vor uns ein Tasmanischer Teufel die Strasse ueberquerte. Diesesmal konnte ich ihn genau erkennen und hatte nun also die Gewissheit, dass ich eines dieser doch relativ seltenen Tiere gesehen habe.
Wieder dort angekommen wo ich wenige Stunden zuvor noch im Zelt gelegen habe konnte ich dann einen Abschleppwagen rufen. Irgendwann trudelte er dann auch ein und wir konnten uns auf den Weg zum “Tatort” machen. Dort bargen wir den Ford sanft aus dem Gruen, das die Strasse saeumt. Anschliessend machten wir uns auf den Weg zur Werkstatt wo mir erst das Ausmass dieses Ausflugs in den Strassengraben bewusst wurde. Nach ein paar Handgriffen war das Auto wieder einsatzbereit und die Reparatur kostete gerade einmal 40 Dollar. Natuerlich war der Abschleppvorgang nicht ganz guenstig, aber ich konnte trotzdem mein Glueck kaum fassen, dass ich schon am gleichen Tag meine Reise fortsetzen konnte.
Zwei Zitate moechte ich zum Abschluss dieser Geschichte noch erwaehnen.
Da war zum einen die alte dame, die den Unfallort passierte und meinte:”Hauptsache Ihnen ist nichts passiert.” Und zum anderen war da der Mann, der mir diesen wertvollen Hinweis gab:”Man kann die Strecke auch mit 100- 120 Kilometern pro Stunde fahren. Man muss nur in den Kurven ein bisschen driften.”
So unterschiedlich kann man die ganze Sache sehen ;)
Ich entschied mich dagegen es noch einmal mit der Westkueste zu versuchen und verschaffte mir stattdessen eine moeglichst gute Ausgangsposition fuer den naechsten Tag. Dieser sollte etwas erfolgreicher werden als der vorherige.
Die ersten Sonnenstrahlen, die frueh morgens durch die Windschutzscheibe des wieder genesenen Falcon fielen waren das Zeichen dafuer, dass es Zeit zum Aufstehen war. Noch bevor die ersten Touristen an meinem idyllischen Schlafplatz erschienen kletterte ich schlaftrunken aus dem Kofferraum, rieb mir die Augen und dueste los.
Einen der vielen Nationalparks Tasmaniens nahm ich an diesem Tag unter die Lupe. Es hiess also: festes Schuhwerk anziehen, Sonnencreme auftragen und ausreichend viel Proviant mitnehmen. Ich begann mit der Umrundung eines Sees, der zusammen mit dem Cradle Mountain im Hintergrund das Motiv vieler Postkarten und eine der Hauptattraktionen Tasmaniens ist. Dieser Wanderweg diente sogleich auch als kleiner Fitnesstest fuer mich und schon zu Beginn konnte ich den ersten Erfolg verbuchen. Nach etwa dreihundert Metern steckte ich bereits die erste Seniorengruppe locker in die Tasche. Ein paar weitere kamen im Verlauf des Tages noch hinzu und die absolvierten Kilometer konnte ich exakt an drei Haenden abzaehlen. Ich war mit dem Endresultat zufrieden. Fuer den Abend habe ich mir eine luxurioese Unterkunft also redlich verdient. Das bedeutet: ein Campingplatz mit warmer Dusche. Dort liess ich den Tag in einer gemuetlichen Runde mit ein paar herumalbernden Japanern und Japanerinnen und einem simplen Kartenspiel ausklingen.
Der Lake St. Clair Nationalpark war mein naechstes Ziel. Dieser Park war nur ein kurzer Abstecher auf dem Weg nach Hobart, der Hauptstadt Tasmaniens. Doch dieser Nationalpark wird mir wohl in besonderer Erinnerung bleiben, denn dort machte ich eine Begegnung der besonderen Art. In dem “St. Clair See”, der den Grossteil des Nationalparkgelaendes einnimmt, leben Schnabeltiere (Werden eigentlich Schnabeltassen und Schnabelschuhe aus Schnabeltieren hergestellt?). Diese sind neben dem Ameisenigel, der mir uebrigens am Tag zuvor schon ueber den Weg lief, die einzigen Saeugetiere, die Eier legen. Diese kuriosen Tiere wollte ich mir doch einfach mal anschauen. Leider wollte sich mir jedoch kein Exemplar zeigen. Aber langweilig war mir trotzdem nicht. Als ich in Gedanken versunken herumlatschte kam etwa zwei Meter vor mir etwas aus einem Busch und kreuzte meinen Weg. Ich analysierte blitzschnell die Hauptmerkmale dieses Geschoepfes; lang, duenn, bewegt sich schlaengelnd fort; und kam zu dem Ergebnis, dass dies eine Schlange ist. Schon oft habe ich gehoert wie man sich in einer solchen Situation verhalten soll: Man soll “einfach nur” ruhig stehen bleiben. Und ich habe mich auch schon oft gefragt, ob das wirklich klappen kann. Aber etwas anderes konnte ich in diesem Moment auch garnicht machen, denn ich befand mich in einer Art Laehmungsstarre. Ich atmete erst weiter als die Schlange wieder verschwunden war. Meine erste Schlange in Australien! Ich konnte es kaum fassen.
Soeben noch als Schnabeltierjaeger unterwegs machte ich mich nun auf die Suche nach einer Schlange. Ein Foto davon sollte doch wohl machbar sein. Ich ging zunaechst ein Stueck weiter um sie in Sicherheit zu waegen. Auf dem Rueckweg bewaffnete ich mich mit meiner Videokamera und als die Schlange dann wieder kurz vor mir auftauchte war es trotzdem sehr ueberraschend. Sie versuchte zu fliehen, doch meiner Kamera konnte sie nicht entkommen. Nun fehlte nurnoch ein Beweisfoto. Ich suchte also erneut und als ich ein Stueck weiter ging tauchte sie wieder vor mir auf. Sie wollte gerade in meine Richtung, doch nun blieb sie wo sie war und schaute mich an. Es war nun wie beim Duell Torhueter gegen Linksaussen. Wer zuerst zuckt verliert. Ich verlor dieses Duell, denn ich zueckte meine Digitalkamera und hielt drauf. Die Schlange entschied sich aber nicht dafuer mich anzugreifen, sondern suchte das Weite und ich entschied mich es jetzt auch dabei zu belassen. Das foto hatte ich ja.
Auf dem Weg zum Parkplatz hielt ich nun immer sofort inne, sobald ich etwas im Augenwinkel sah, das einer Schlange aehnelte oder wenn ich ein Geraeusch hoerte. Jedes Mal hiess es aber “Fehlanzeige”. Im Besucherzentrum versuchte ich dann die Schlange zu identifizieren, doch durch die vielen Merkmale, die stark variieren koennen, gelang mir dies nicht. Ich konnte nur mit Gewissheit sagen, dass sie giftig war. Das beruhigte mich natuerlich.
Auf der Agenda des “Schlangenbaendigers” stand aber auch noch Hobart. Also machte ich mich auf den Weg. Eigentlich sollte es kein Problem sein diese Strecke innerhalb von zwei Stunden zu meistern. Doch es kam mal wieder anders. 70  Kilometer vor Hobart fiel mir bei einem Tankstopp ein merkwuerdiges Geraeusch auf, dessen Ursprung unter der Motorhaube lag. Ich konnte zwar erkennen, dass etwas mit dem Keilriemen nicht stimmte, aber alleine konnte ich das Problem nicht wirklich beheben. Ich brauchte also einen Mechaniker. Ich fragte in der Tankstelle nach und erfuhr, dass es in diesem Ort keinen einzigen Mechaniker gibt. Es gibt da aber wohl jemanden, der sich da ein bisschen auskennt. Ich folgte den Anweisungen und konnte somit auch diese Person ausfindig machen. Der Mann zeigte sich sehr hilfsbereit und schaute sich die Sache an. Letztendlich fand er auch das Problem. Eine Spule, um die der Keilriemen laeuft, musste ausgewechselt werden. Also kein grosses Ding. Aber das Ersatzteil konnte nur ein Mechaniker besorgen und solch einer konnte sich dem Problem erst am Montag annehmen. Es war samstag. Ich wuerde also fuer zwei Tage in einem kleinen Dorf festsitzen in dem es absolut gar nichts zu unternehmen gibt. Das wollte ich nicht zulassen. Ich beschloss per Anhalter nach Hobart zu fahren und zurueckzukehren, wenn das Auto wieder einsatzbereit ist. Ich packte also meine sieben Sachen und stellte mich an den Fahrbahnrand. Die Nummer mit dem Finger rausstrecken funktionierte aber nicht wirklich gut und ich dachte mir in diesem Moment, dass lange Haare und ein paar Brustimplantate nun hilfreich waeren. In einem Cafe am Strassenrand wurde ich dann aber doch noch fuendig und ich bekam nicht nur irgendeine Mitfahrgelegenheit - ich fuhr den Weg nach Hobart in einem Holden EH, Baujahr 1964. Als ich die Beifahrertuer oeffnete wurde ich sogleich stuermisch von Oscar begruesst. Der ziemlich unsuesse Hund wedelte ganz aufgeregt mit dem Schwanz und schleckte meine Hand. Eigentlich bin ich da nicht so der Fan von, aber in dem Moment war ich sehr dankbar fuer den Fahrservice nach Hobart und konnte noch einmal darueber hinwegsehen. Auch waehrend der Fahrt suchte Oscar die Naehe zu mir und klebte wie ein ABC- Pflaster in meinem Nacken waehrend er durch das offene Fenster den Fahrtwind in sein haessliches Gesicht blasen liess. Ein herrlicher Hund!
In Hobart begab ich mich erst einmal auf die Suche nach einer Unterkunft. Ich konnte ja nicht ahnen, dass ich hier ohne Auto aufkreuzen werde und somit habe ich in dieser Hinsicht auch noch nicht vorgesorgt. Die Suche nach einem Schlafplatz erwaehne ich hier nicht ohne Grund, denn diese gestaltete sich problematisch. Saemtliche Hostels waren fuer die Nacht bereits ausgebucht und ein Hotel entsprach auch nicht meinen Vorstellungen… rein finanziell. Ich schaute mich also schon einmal nach Alternativen um und stiess dabei auf ein Spielplatzhaeuschen. Zwar ohne Rutsche, aber immerhin besser als gar kein Dach ueber dem Kopf. Aber ich waere ja nicht ich, wenn ich nicht noch einen Plan B im Hinterkopf haette. Dafydd, mein ehemaliger walisischer Arbeitskollege im Outback, befand sich zur gleichen Zeit ebenfalls in Hobart und bei ihm bat ich nun um “Asyl”. Er stellte mir einen Platz auf dem Boden in seinem Hostelzimmer, das er mit seinem Vater, der zu Besuch war, teilte, in Aussicht. Ich muesse nur irgendwie unbemerkt mit meinem Gepaeck in das Hostel gelangen. Im Schutze der Dunkelheit (es war inzwischen schon fast 11 Uhr abends) und durch einen Hintereingang schaffte ich dies auch. Ich musste also nicht wie ein Penner auf einem Spielplatz oder sonstwo naechtigen. Ausserdem redete ich mir ein, dass der harte Boden auf dem ich nun schlief meine Rueckenmuskulatur staerke.
Am naechsten Morgen sicherte ich mir sogleich ein Bett fuer die naechste Nacht und hatte dabei Glueck, dass ich noch das letzte Verfuegbare bekam. Anschliessend erkundete ich Hobart und ich kann gleich sagen, dass es mich nicht gerade von den Socken gehauen hat. Es ist zwar die zweitaelteste Stadt Australiens und hat somit einige relativ alte Gebaeude und zudem einen Hafen zu bieten, aber das Landesinnere und die etwas abgelegeneren Kuestenregionen sagten mir eher zu. So schlecht wie das tasmanische Bier schnitt Hobart aber dann doch nicht ab. Ohne mir Informationen ueber moegliche gesundheitliche Folgeschaeden einzuholen orderte ich am Abend ein frisch gezapftes “Bier” und erfuhr gleich im Anschluss ein desastroeses Geschmackserlebnis. Ich kam mir vor als haette ich das exklusive Recht die erste Testperson fuer ein frisch entwickeltes Medikament sein zu duerfen. Es schmeckte einfach nur chemisch.
Darueber konnten nur ein paar Pints Guinness hinweghelfen.
Am Folgetag begann eine neue Woche und auch die Automechaniker arbeiteten wieder. Das hiess fuer mich, dass die Zeit in Hobart vorbei ist und, wenn alles gut laeuft, das Auto wieder startklar ist. Dafydd und sein Vater ermoeglichten mir mit ihrem gemieteten Campervan eine kostenlose Rueckfahrt nach Hamilton, wo auch schon das Auto und ein Mechaniker warteten. Innerhalb von zehn Minuten war die Sache erledigt und die Fahrt konnte weitergehen. Bitter war nur der Beigeschmack, den die Rechnung hinterliess. Ausserdem musste ich durch die verlorene Zeit bei meinem weiteren Reiseplan Abstriche machen und somit fuhr ich nicht zum historisch gesehen interessantesten Ort Tasmaniens. Das ehemalige Gefaengnis in Port Arthur. Dafuer fuhr ich direkt an die Ostkueste und quartierte mich in der Naehe eines sehenswerten Nationalparks ein. Dort gab es dann wieder feinstes Dosenfutter und der Schlafplatz war auch schnell gefunden. Ein kleiner Hafen erschien mir da als ideal. Bevor ich zu “Bett” ging schaute ich mir aber noch ein allabendliches Spektakel an. An diesem Kuestenabschnitt kommen puenktlich bei Einbruch der Dunkelheit Pinguine an Land und versorgen ihre Nachkoemmlinge, die sich tagsueber zwischen Steinen und in kleinen Hoehlen verstecken, mit Nahrung. Das scheint sich herumgesprochen zu haben und so dauerte es eine gefuehlte Ewigkeit bis sich die kleinen Pinguine einen Weg durch die Zuschauermenge bahnen konnten. Das war schon ganz interessant, aber irgendwann war ich auch muede und kletterte in den Kofferraum.
Am naechsten Tag war es nur eine recht kurze Strecke zum Nationalpark, doch diese gab mir die Gelegenheit etwas von dem, was ich bei den Problemen mit dem Auto bekommen habe, zurueckzugeben. Kurz nachdem ich wieder im Strassenverkehr eingriff erblickten meine wachen Augen drei junge Australierinnen am Strassenrand, die aussahen als wenn sie Hilfe benoetigen. Ich hielt an und sie fragten ob ich sie ein Stueck mitnehmen kann. “Klar”, dachte ich mir und sagte: “Klar.” Eigentlich ganz schoen leichtsinnig ganz alleine einfach so drei fremde Leute mitzunehmen. Aber ich blieb gluecklicherweise von einem Ueberfall verschont ;)
Zwar trennten sich unsere Wege schon nach weniger als zwanzig Kilometern, aber immerhin hatte ich anschliessend ein gutes Gewissen. Und so schloss sich fuer mich der Kreislauf vom Mitnehmen und mitgenommen werden.
Fuer mich ging es dann zum Freycinet Nationalpark, der einen der zehn weltweit schoensten Straende zu bieten hat. Das sagen zumindest die Schilder. Und ich sage, dass es hinkommen koennte. Dieser ?,? Kilometer lange, sichelfoermige Sandstreifen liegt in der Wineglass Bay, die in dicht bewachsenes Gebirge eingebettet ist. Das tuerkise Wasser ist selbstverstaendlich. Auf dem Weg zum Strand traf ich erneut auf eine Schlange. Diese war jedoch etwas kleiner, aber trotzdem giftig. Da ich ja nun ein Routinier in Sachen Schlangen war steckte ich mir eine Zigarette an und schaute der Schlange zu wie sie sich unter einem Stein versteckte. Achja, ich bin ja Nichtraucher. Aber ich sah bestimmt trotzdem unheimlich laessig aus wie ich da so stand.
Am Strand angekommen setzte ich mich erst einmal in den Sand und fragte mich was dieser Strand hat, was der Strand auf Norderney nicht hat. Ich kam zunaechst nicht drauf, aber dann pirschte sich hinter mir ein Wallaby heran und nun fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Das war das perfekte Bild von Australien. Ein Wallaby und im Hintergrund ein wunderschoener Strand mit tuerkisem Wasser. Ich versuchte noch ein paar Bikinischoenheiten davon zu ueberzeugen, dass sie das Bild aufwerten wuerden, aber letztendlich posierte nur das Wallaby fuer ein Foto.
Nach einer Erfrischung im ueberraschend kuehlen Meer fuhr ich wieder zurueck in den Ort, wo ich auch schon die Nacht zuvor verbracht habe. Dort gibt es etwa 200 Meter vom Strand entfernt eine kleine Insel, die man bei Ebbe zu Fuss erreichen kann. Da ich gerade nichts besseres zu tun hatte schaute ich mich dort ein bisschen um und traf auf ein paar Pinguine, die sich in ihren kleinen Hoehlen versteckten und einen merkwuerdigen alten Mann, der nach kleinen Muscheln suchte, die man zu Halsketten und Armbaendern weiterverarbeiten kann. “Die australische Version vom Pfandsammeln”, dachte ich mir. Bevor die Flut zurueck kam machte ich mich mich wieder auf den Weg zum Festland und bereitete mein Nachtlager vor. Der Platz am Hafen hat sich bewaehrt und somit “hausierte” ich dort ein weiteres Mal.
Mein vorletzter Tag auf Tasmanien fuehrte mich weiter an der Ostkueste entlang und den ersten Stopp machte ich an einem der Top- Straende der Insel. Die Sonne brannte (spaeter erfuhr ich, dass es der heisseste Tag auf Tasmanien seit acht Jahren war) und das Meer lud zum Schwimmen (oder baden… schwimmen find’ ich nicht so gut ;)) ein. Ich verspuerte jedoch keine besonders grosse Lust und auch ansonsten hielten sich die Leute am Strand eher zurueck. Vielleicht lag das daran, dass drei Tage zuvor eine Surferin mit ihrem Bein in das Maul eines Hais hineingeschwommen ist!? Sie ueberlebte aber und deshalb vermutete ich, dass es eher an der Sternenkonstellation liegt.
Ich stieg also auch bald schon wieder in den Wagen und fuhr zur “Bay of Fires”. Diese Kuestenregion ist einer der bekanntesten “Geheim”tipps Tasmaniens. Hier findet man viele relativ leere Straende, die durch rot leuchtende Felsen voneinander getrennt sind und wahrscheinlich gibt es auch den ein oder anderen schoenen Wanderweg. Dafuer war ich an diesem heissen Tag aber zu faul. Da ich nun zu faul zum Wandern war hatte ich noch mehr Zeit uebrig als erwartet. Ich schaute also wo ich noch hinfahren koennte und dachte mir, dass sich einer der hoechsten Wasserfaelle Tasmaniens (90 Meter) ganz gut anhoert. Ich fuhr hin, schaute ihn mir an, las mir die Infoschilder durch, machte zum Abschluss ein paar Fotos und ging wieder zurrueck zum Auto. Umgehauen hat mich der Wasserfall nicht gerade. Da gefiel mir das Brot mit Thunfisch schon viel besser. Ich hatte immer noch genuegend Zeit um irgendetwas zu unternehmen. Ich beschloss nun noch ein Stueck weiter in den Nordosten zu fahren und mich dort ein wenig umzuschauen. Irgendwann erreichte ich dann ein Dorf von dem aus ich auf die Strasse kam, die mich wieder an die Kueste fuehrte. Die Sache war nur, dass es wieder eine unbefestigte Strasse war und der aufmerksame Leser weiss bestimmt noch was beim letzten Mal passiert ist. Aber ich stellte mich der Herausforderung und wollte auch nicht zulassen, dass sich eine Phobie vor unbefestigten Strassen entwickelt ;) Der Zustand der Strasse war jedoch so schlecht, dass ich nur im Schneckentempo voran kam. Aber ich hatte ja jetzt ein Ziel und wollte auch nicht wieder umkehren. Ich fuhr also, und fuhr, und fuhr. Irgendwann kam ich dann auch mal an und war froh, dass das Auto noch nicht den Geist aufgegeben hat. Ich stellte mir jedoch die Umgebung ein bisschen schoener vor und trat somit auch schon bald wieder den Rueckweg an. Die ganze Schotterpiste also wieder zurueck…
Nach dieser Enttaeuschung wollte ich aber wenigstens noch einen gelungenen Abschluss des Tages und fuhr zur zweitgroessten Stadt Tasmaniens, Launceston. Dort konnte ich mich zwar nur kurz umschauen, da es schon bald dunkel wurde und ich ja noch einen Schlafplatz brauchte, aber hier gefiel es mir auf Anhieb schon besser als in Hobart. Ich weiss auch nicht wirklich woran es lag, aber ich spuerte es ;) Es lag aber bestimmt nicht an der Brauerei, die sich im Stadtzentrum befindet. Diese Brauerei ist naemlich der Ursprung allen Uebels, das mir abends in Hobart wiederfahren ist. Ich verzichtete also auf die Brauereibesichtigung am naechsten Tag und schaute mir lieber einen Naturpool an, der in einer Schlucht am Stadtrand liegt. Die Hauptintention war dabei, dass es dort eine kostenlose Dusche fuer mich geben muesse. Die brauchte ich naemlich nach dem gluehend heissen Vortag und ich wurde auch nicht enttaeuscht. Jetzt versuchte ich noch die letzten Stunden auf Tasmanien sinnvoll zu nutzen. Ich schaute mich also ein wenig in der von meinem Reisefuehrer angepriesenen Weinregion Tasmaniens um. Ich fuhr also an einem Fluss entlang und stellte mir vor wie ich mich auf einer Kaffeefahrt entlang der Mosel befinde. Der Klassiksender im Radio haette das Ganze zwar noch unterstrichen, aber das tat ich mir dann doch nicht an. Der Hauptgedanke, den ich dabei im Kopf hatte war: “Wieso gibt es das ganze nicht genau so, nur mit Bier? Mit Bierproben und allem drum und dran.” Aber dann nur in Deutschland, wo man nicht befuerchten muss, dass man vom Bier krank wird ;)
Von dort aus war es auch nicht mehr weit bis nach Devonport, wo mein schoener, aber auch manchmal nervenaufreibender Urlaub dann auch endete und die Spirit of Tasmania sich wieder auf den Weg nach Melbourne machte.

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Das wars dann auch schon von meinem Trip nach Tasmanien. Ich hoffe es war nicht zu langweilig oder zu “gruselig” fuer Euch ;)
Ich schaue jetzt mal welchen Bericht ich als naechstes schreibe. Ihr koennt mir ja sagen ob Ihr lieber was ueber Krokodile oder Haie lesen wollt :D
Fuer mich wird es jedenfalls als naechstes fuer zweieinhalb Wochen nach Asien gehen. Ich weiss auch noch nicht wie da fuer mich die Moeglichkeiten sind ins Internet zu gehen. Aber es dauert ja sowieso immer ein bisschen bis der naechste Bericht online ist :D

Na gut, dann sag ich einfach mal bis dann! (Ein paar Fotos gibts auch mal wieder)
Liebe Gruesse,

Tobi

Spirit of TasmaniaSkyline von Melbourne\Lecker Essen :)ohne Worte...Cradle Mountain und Dove LakeCradle Mountain und Lake LillaAmeisenigelSchlange...Holden EH, Bj. 64 (und Oscar)HobartWineglass BayWallabyDiamond IslandPinguine 1Pinguine 2Bay of FiresBay of Fires 2Columba Falls

Tob The Builder

Jan
06

Da hat es doch wieder über einen Monat gedauert, bis ich mal wieder was präsentieren kann. Tut mir echt leid, dass es so lange gedauert hat, aber von nun an bin ich wieder bis in die Haarspitzen motiviert ;)

In der Zwischenzeit ist auch wieder einiges passiert, das ich Euch auch nicht vorenthalten moechte. Aber erstmal kommt mein Bericht über die zweite Phase meiner Farmarbei.

Und bevor ich es vergesse: Ich wuensche Euch allen alles Gute fuer das Jahr 2009!

Denkt schön an Eure guten Vorsätze… ich werde mir Mühe geben meinen Vorsatz, wieder etwas regelmässiger meinen Blog zu aktualisieren, einzuhalten.

Das sollte jetzt aber auch reichen und nun zum Bericht:

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Der Wecker klingelte um viertel nach sechs. Unsere Beine trugen unsere schlaffen Körper zielsicher in die Küche an den Frühstückstisch. Die Augen öffneten sich langsam etwas weiter, während uns Müsli und Cornflakes mit Energie für den Start in den Tag versorgten. Und ehe wir uns versahen fanden wir uns auf gewohntem Terrain wieder. Der Urlaub war also vorbei und von nun an hieß es wieder: Zäune bauen, Unkrautä und Melonen und Kürbisse pflanzen. Das übliche Programm. Der Arbeitsalltag hatte uns also wieder eingeholt. Doch diesesmal sollten es nur eineinhalb Wochen werden bis wir endlich das “rote Zentrum” verlassen und vom Norden aus weitere Gebiete Australiens erkunden konnten. So war jedenfalls der Plan. Da konnten wir aber noch nicht ahnen, dass Paul der Farm einen Besuch abstatten wird. Paul, ein etwa 40 Jahre alter Familinvater, dessen markantesten Merkmale vorstehende Vorderzähne und ein fehlender halber Finger sind, ist der Besitzer dieser und einer weiteren Farm, die sich etwa 500 Kilometer von Sydney entfernt befindet. Der Hauptgrund für sein Erscheinen war, dass er unserem Chef Warwick ein wenig unter die Arme greifen sollte. Ich denke aber auch, dass sein begnadetes Verhandlungsgeschick ein nicht unwichtiger Grund für seine Anwesenheit war, denn unsere Pläne, wann wir die Farm verlassen wollten, deckten sich nicht mit den Plänen von Paul. Eines Arbeitstages, als wir gerade mit dem Pflanzen von Melonen beschäftigt waren, pirschte sich Paul aus dem Hintergrund auf einem Golfcaddy an uns heran und machte uns in guter alter Mafiabossmanier “ein Angebot, das wir nicht ausschlagen konnten”. Eine Gehaltserhoehung um knapp 30 Prozent befanden wir für gut genug um unsere Pläne um eine Woche nach hinten zu verschieben. Nachdem ich mich an die Dollarzeichen in meinen Augen gewöhnt hatte fragte ich mich, ob ein dicker weisser Kater auf Pauls schoss seinen Auftritt nicht noch authentischer gemacht haette.

Als dann die Woche begann, die uns einen warmen Geldregen bescheren sollte, fragten wir uns wieso wir denn unbedingt noch länger auf der Farm bleiben sollten und dabei auch noch so unverschämt viel verdienen. Unsere Aufgabe bestand nämlich zum Grossteil darin Unkraut zu jäten. Also nichts wirklich wichtiges. Aber da das Geld stimmte und da wir einfach nur machten was von uns verlangt wurde waren wohl alle Beteiligten glücklich damit. Wir liefen nun zur Höchstform auf und ackerten täglich mindestens zwölf Stunden, was uns auf der Karriereleiter von billigen Hilfsarbeitern zu “Legenden” (Zitat: Paul) aufsteigen liess.

Ich muss aber auch zugeben, dass wir es ohne Pauls Hilfe wahrscheinlich auch niemals so weit geschafft hätten, denn ohne seine tägliche Barbecue-Kur hätten wir niemals die benötigte Energie für solch eine Leistung aufbringen können. Julian konnte dabei aus unerklärlichen Gründen zwar nicht ganz aus dem Vollen schöpfen, aber dank der scheinbar unbegrenzten Fantasie Pauls konnte der Steakhaushalt mit “Kürbissteaks” auf einen akzeptablen Stand gebracht werden.

Am dritten Tag unserer Marathonwoche begann dann aber unsere “Spezialmission”. Für ein neues Haus auf der Farm musste ein Bewässerungssystem errichtet werden. Neben der Montage einer Wasserpumpe durften wir auch unsere Qualitäten im Rohreverlegen unter beweis stellen. Ein heikles Thema, aber für uns natürlich kein Problem ;) Ich fühlte mich ein wenig wie vor fünfzehn Jahren (oder waren es doch nur 12?), als ich in meinem Kinderzimmer Stundenlang mit Playmobil Baustellen errichtete und kleine Plastikrohre verlegte.

Am Ende der Woche konnten wir unsere Mission kurz nach Sonnenuntergang gerade noch rechtzeitig abschließen und auf einem Zettel die Zahl 74 notieren. Das ist die Anzahl der Stunden, die wir innerhalb einer Woche zum ersten und wahrscheinlich auch zum letzten Mal in unserem Leben gearbeitet haben. Das Gute daran war natürlich, dass uns somit ein paar sorglose Wochen bevorstanden, denn dieses mal war es wirklich unser letzter Arbeitstag und der Rückkehr gen Norden stand nun nichts mehr im Wege.

Nach einer herzlichen Verabschiedung der Farmerfamilie stiegen wir dann am späten Abend in den Reisebus, der uns zurück in unser “Wohnzimmer” Darwin brachte. Diesesmal gestaltete sich die Hostelsuche zum Glück wesentlich einfacher als beim letzten mal. Der Aufenthalt sollte sowieso um einiges entspannter ablaufen als beim letzten Mal, denn nun besaßen wir ja auch die notwendigen finanziellen Mittel und somit auch genügend Zeit (Zeit ist Geld - Geld ist Zeit?) um den nächsten Schachzug gründlich zu planen. Und schon bald entstand ein Masterplan in unseren Koepfen, der sich gewaschen hatte…

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In den beiden nächsten Berichten werde ich dann die Erfüllung unseres Masterplans, der uns die Begegnung mit gefährlichen Tieren, Wassersport und einer komplett anderen Kultur bescherte, schildern. Ihr könnt Euch also schonmal freuen nicht vom monotonen Farmleben lesen zu müssen ;)

Übrigens: Wen es interessiert, was ich zu Beginn des neuen Jahres unternommen habe, findet HIER den Bericht “Great Ocean Road”, in dem ich mit viel Glück eine der Hauptrollen ergattern konnte!

Nun geht es für mich nach Tasmanien, eine Insel, die im Süden Australiens liegt. Dieses ruhige Fleckchen Erde dient mir als Ort um die neu in mir aufkeimende Motivation in Berichte ummünzen zu können. Und nebenbei werde ich dort auch mit Sicherheit wieder einiges erleben, das ihr dann hoffentlich in nicht allzu langer Zeit hier nachlesen könnt.

Einen schönen Gruß ins etwa -10 Grad kalte Deutschland aus dem etwa 30 Grad warmen Australien!

Tobi

Wandern am Kings Canyon

Dez
04

Nun sind wir einmal um den Ayers Rock herumgelaufen, haben ihn bestiegen und haben ihn beim Sonnenuntergang in allen möglichen Rottönen erstrahlen sehen. Man könnte meinen, dass das genug sei um die Rückkehr zur Farm anzutreten und dort wieder die Reisekasse aufzufüllen. Ist es eigentlich auch. Aber wir wollten mehr. Ein letztes Abenteuer sollte diesen Kurzurlaub noch abrunden und da wir gut informiert waren wussten wir, dass das “Zentrum des Nichts” mehr als nur einen großen roten Felsen zu bieten hat.
Das nächste Ziel, wohin uns der klapprige, alte Van tragen sollte, war der nur wenige Stunden entfernte Kings Canyon. Bis wir aber dort ankommen sollten unterlief uns noch das ein oder andere Missgeschick. Zunächst vergaßen wir den Kofferraum zu schließen und rätselten darüber was die Signale der anderen Autofahrer bedeuten sollten.  Dann merkten wir es aber, als wir auf einem Parkplatz hielten um uns noch mit Lebensmitteln einzudecken. Bis auf ein paar Äpfel ging durch diesen Faux Pas glücklicherweise nichts verloren und die Fahrt konnte gut gelaunt fortgesetzt werden. Irgendwann erreichten wir dann einen Campingplatz bei dem wir es in Erwägung  zogen zu nächtigen, bevor die Erkundung des Kings Canyon erfolgen sollte. Nachdem das Campinggelände inspiziert und als “OK” befunden wurde wartete die nächste Überraschung auf uns. Das Auto war abgeschlossen! Naja, das war noch keine Überraschung, denn Julian und ich haben es ja auch sehr gewissenhaft mit unseren eigenen Händen verriegelt. Natürlich war das Problem, dass der Schlüssel noch in der Zündung steckte und so fanden wir uns kurze Zeit später mit einem Kleiderbügel, einer Gabel und diversen Messern bewaffnet am Türschloss wieder. Jeder versuchte einmal sein Glück beim Knacken des Schlosses, doch es schien in keinem von uns ein wahrer Verbrecher zu stecken. Irgendwann sahen wir ein, dass wir so nicht weiter kommen. Es musste eine andere Taktik her. Ein Geistesblitz brachte dann den entscheidenden Durchbruch. In guter alter “Affenmanier” fischte unser walisischer Wegbegleiter mit Hilfe des Kleiderbügels den Autoschlüssel aus der Zündung und durch die Gummidichtung des Fensters in unsere Hände. Ich wusste doch, dass es irgendwann mal nützlich sein wird, dass in vielen Tierdokumentationen gezeigt wird wie Affen mit Hilfe von Stöcken an verborgene Futterreservate gelangen. Nun hieß es aber möglichst schnell den Kings Canyon zu erreichen um ein paar Eindrücke zu sammeln, bevor die Sonne unterging. Es reichte immerhin noch für einen kurzen Fußmarsch, der uns an einem Bachbett entlang ins Innere des Canyons führte. “Schön”, war unser Fazit.
Am nächsten Tag hieß es schon früh “Raus aus den Federn”. Wir aßen ein typisches australisches Frühstück, bestehend aus Toast, Ei uns Speck, packten unsere Rucksäcke, kauften etwas zu essen und zu trinken und fuhren nach Kathleen Springs. Dort beginnt eine Wanderroute, die 22 Kilometer lang durch die George Gill Range bis hin zum Kings Canyon führt. Zu fünft standen wir nun mit prall gefüllten Rucksäcken auf dem Rücken  vor einem Schild, das den Beginn dieses Wanderweges markiert. Wir sahen aus wie Wanderer. Das traf sich gut, denn unser Plan zu wandern konnte nun umgesetzt werden. Nur wollten wir ursprünglich ein bisschen früher starten um nicht von der Mittagssonne geröstet zu werden, doch irgendwie klappte das nicht so ganz und wir starteten am Mittag. Die beeindruckenden Schluchten, die wir immer wieder entdeckten, als wir uns ein wenig vom Wanderweg entfernten, ließen uns aber die Hitze vergessen und so wurde Kilometer für Kilometer zurückgelegt. Bei Kilometer neun beschlossen wir, dass wir für diesen Tag genug gewandert sind und machten uns auf die Suche nach einem muckeligen Schlafplatz. “Muckelig” hieß: ein möglichst weicher Boden mit möglichst wenigen Steinen. Solch ein Platz wurde relativ schnell gefunden und das Entfachen eines Lagerfeuers dauerte ebenfalls nur wenige Minuten. Das Feuer sorgte nicht nur dafür, dass der Inhalt unserer Konservendosen halbwegs erträglich schmeckte, es sollte auch ungebetene Gäste wie Dingos und Schlangen von unseren schmackhaften Körpern fernhalten. Ein bisschen unheimlich war das ganze schon, denn auf die nächsten Menschen wäre man vermutlich erst nach einem kilometerlangen Fussmarsch getroffen und da wäre es natürlich äußerst ungünstig gewesen, wenn man auf eine eher unkooperative Schlange getroffen wäre. Davon blieben wir aber verschont uns so konnten wir ungestört den australischen Nachthimmel, der im Vergleich zum europäischen Nachthimmel mindestens die doppelte Anzahl an Sternen zu beherbergen scheint und fast im Minutentakt eine Sternschnuppe präsentiert, bestaunen. Es wäre mit Sicherheit ein Kinderspiel gewesen bei diesen Rahmenbedingungen eine romantische Stimmung zu erzeugen, doch die Personenkonstellation machte dies nicht erforderlich.
Nach einer erholsamen Nacht wurde unsere Wanderung fortgesetzt und diesmal schafften wir es sogar uns etwas früher in Bewegung zu setzen. Wir hatten ja auch immerhin noch ca. 13 Kilometer vor uns. Auch auf diesem Stück erkundeten wir gründlich die Randgebiete des Wanderweges und so kamen wir auch zu einem der schönsten Orte, die bei unserem 22 Kilometer langen Marsch entdeckt wurden. Am Ende eines ausgetrockneten Bachlaufs befindet sich ein kleiner See, der von einer mannigfaltigen Anzahl an Pflanzen und Tieren als Lebensraum genutzt wird. Da uns das Gewässer aber nicht ganz geheuer war ließen wir diese wunderbare Gelegenheit, sich ein wenig abzukühlen, verstreichen und setzten unseren Weg fort. Nach einem famosen Endspurt erreichten wir dann leicht dehydriert, da unsere Wasserreserven etwas zu früh ausgeschöpft waren, den Kings Canyon, der mit seinen Felsformationen noch einmal ein paar schöne Fotomotive bot.
Leicht erschöpft standen wir nun vor der nächsten Herausforderung. Da wir uns keinen Chaufeur leisten konnten befand sich unser Fahrzeug noch immer am anderen Ende des Wanderweges. Somit musste sich also jemand “opfern”, der per Anhalter dorthin zurückkehrte wo am Vortag alles begann. “So einfach geht das hier also”, dachte ich mir, während ich (der eine Dusche gut hätte vertragen können) in das saubere Auto stieg. Direkt die erste Person, die ich ansprach, eine Dame vom Servicepersonal eines Campingresorts, meinte, dass das kein Problem sei mich nach Kathleen Springs mitzunehmen. Alles lief wie geschmiert. Als ich den Schlüssel in der Zündung drehte geschah aber nichts. Nun lief nicht mehr alles wie geschmiert. “Batterie leer”, hieß meine Prognose. Und die Anzeichen dafür verdichteten sich, als ich entdeckte, dass das Licht brannte, während wir die letzten 24 Stunden durch die Wildnis striffen. Nun musste Hilfe her. Ich fragte jeden, der mir über den Weg lief (dabei handelte es sich ausnahmslos um “in die Tage gekommene” Australier), ob er mir helfen könne. Doch jegliche Mühe der sehr hilfsbereiten Aussies war vergebens. Selbst ein beherztes Anschieben brachte den Wagen nicht auf Trab. Freundlicherweise bot mir aber ein Ehepaar an mich wieder zum Kings Canyon zurückzubringen, wo die Chancen wohl deutlich besser stehen dürften jemanden zu finden, der das Auto wieder ans Laufen bringen kann. Ich stieg also in das Fahrzeug der Australier und setzte mich auf eine Kiste - die Beine zwischen derselbigen und der Autotür verkeilt. Einen dritten Sitzplatz gab es nämlich nicht, da das Auto bis oben hin mit irgendwelchem Krempel vollgepackt war. Eine Begegnung mit der Polizei wäre also mit hoher Wahrscheinlichkeit unbequem gewesen. Dann kamen aber noch zwei weitere Leute, die wir nach einem Starthilfekabel fragten und von nun an war das Glück wieder auf meiner Seite. Innerhalb weniger Minuten lief der alte Bus wieder und so konnte ich mit leichter Verspätung doch noch den Rest der Bande abholen. Im Nachhinein erfuhr ich, dass die Lösung des Problems viel näher lag als ich dachte, denn irgendwo in dem Gerümpel im Kofferraum befand sich ein Kabel, mit dem ich das Problem wohl etwas schneller hätte lösen können…
Am nächsten Tag fuhren wir dann zurück nach Alice Springs, um am darauffolgenden Tag wieder Farmluft schnuppern zu können. Die Rückfahrt bot noch eine kleine Besonderheit: Irgendwann fielen uns ein paar Fahrzeuge auf, die mitten im Nirgendwo am Straßenrand standen. Als wir uns näherten konnten wir auch erkennen was der Grund war um an solch einem Ort anzuhalten, Eine Gruppe Kamele schlenderte gemütlich am Straßenrand entlang und setzte sich langsam aber sicher von der Menschenmasse ab. Ein paar Schnappschüsse gelangen mir natürlich trotzdem und so konnte ich auch einen weiteren Haken auf meiner imaginären Liste der Tiere, denen ich in Australien begegnet bin, machen.
Am achten und zugleich letzten Tag unserer “Odyssee” erreichten wir dann wieder gewohntes Terrain, auf dem wir mit offenen Armen von unserem Chef empfangen wurden. Der Wegfall von so super Arbeitskräften wie uns lässt sich halt doch nicht so leicht kompensieren. Und so trugen wir am nächsten Tag wieder zur Gewinnmaximierung der Farm bei.

Was es über die weitere Zeit auf der Farm zu berichten gibt weiß ich momentan zwar noch nicht, aber ich werd’ mir schon was einfallen lassen ;)
Und was mir dann dazu eingefallen ist könnt ihr hoffentlich in nicht allzu langer Zeit hier lesen.

Also dann mal bis dann!
Der Wandersmann

Bohnen am Fusse des Ayers Rock

Nov
02

Jetzt hat das Warten ein Ende ;) Nachdem ich bei diesem Bericht eher schleppend voran kam und meine arbeitsfreie Zeit (unter anderem auf Bali) in vollen Zuegen genossen habe gibt es mal wieder frischen Lesestoff. Ich hoffe es schaut ueberhaupt noch jemand auf meiner Seite vorbei, wenn es nur so selten was neues zu lesen gibt ;) Von nun an sollte es aber wieder regelmaessiger Berichte von meiner „Expedition“ geben. Zu berichten gibt es auf jeden Fall genug. So, jetzt sollte es auch genug sein… :D

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Das erste hart erarbeitete Geld war nun auf unseren Konten. Doch das veranlasste uns noch nicht dazu unsere Farmerschuhe an den Nagel zu haengen. Eine weitere Woche Arbeit sollte unser Geldpolster noch ueppiger ausfallen lassen. Zunaechst goennten wir uns aber eine einwoechige Auszeit in der wir ein paar Punkte auf unserer Liste mit den Dingen, die man unbedingt gemacht oder gesehen haben sollte, abhaken wollten. Unsere Reise fuehrte uns ueber Alice Springs zum Ayers Rock. Damit die ganze Angelegenheit nicht zu teuer wurde schlossen wir uns mit drei weiteren Backpackern zusammen, die ebenfalls auf der Farm arbeiteten und praktischerweise ueber einen Kleinbus verfuegten.

Wie es natuerlich kommen musste verlief die Fahrt nach Alice Springs nicht ohne Autopanne. Zum Glueck traf es aber nicht uns, sondern eine Gruppe Aborigines, denen etwa zwanzig Kilometer vor ihrem Ziel der Sprit ausging. Wir fuhren einfach weiter. Da wir dem Fahrer aber ein schlechtes Gewissen einredeten kehrten wir um und taten was wir tun mussten. Von nun an verband den etwas klapprigen Van und das Auto der Aborigines ein sehr, sehr kurzes Seil. Das konnte nicht gut gehen… ging es aber.

Waehrend der Fahrt gab es dann den grossartigen Moment auf den ich schon waehrend meines gesamten Australienaufenthaltes gewartet habe. Etwa 30 Meter vor uns huepfte ein Kaenguru ueber die Strasse. Ein relativ grosses, wie mir gesagt wurde. Ich hatte ja noch keine Vergleichsmoeglichkeiten, denn dies war das erste Kaenguru, das ich in freier Wildbahn erspaehen konnte. Naja, ein paar eher leblose habe ich vorher schon am Strassenrand gesehen und auf meinem Teller befanden sie sich in Form von Wuerstchen, aber lebendig sind sie dann doch schoener anzuschauen.

Am Abend trafen wir in Alice Springs ein und alle waren schon ein wenig ungeduldig. Dort ist es naemlich erlaubt Alkohol zu trinken und nach knapp einem Monat auf der Farm und keinem einzigen Tropfen Alkohol konnte man das eine oder andere Bierchen mit gutem Gewissen trinken. Das taten wir auch und man konnte in dem Moment sogar fast behaupten, dass das australische Bier ein ganz besonderer Gaumenschmaus sei. Dann wurde das Bier aber warm und wir wurden auf den Boden der Tatsachen zurueckgeholt. Der Spassfaktor blieb dennoch hoch, denn wir bekamen Besuch von „Lucky“. Lucky ist ein Aborigine und trinkt wohl gerne mal ein Bier. Somit war es auch nicht schwierig einen gemeinsamen Nenner zu finden und es schien so als habe man einen Freund fuers Leben gefunden. Die wunderbare Freundschaft hielt jedoch nur den einen Abend, denn wir hatten ja ein Ziel vor Augen und konnten nicht lange in Alice Springs verweilen.

Am naechsten Tag fiel es uns etwas schwer aus dem Quark zu kommen und somit gelang es uns immernoch nicht das rote Objekt der Begierde zu erblicken. Dafuer wurden wir mit einer kostenlosen Unterkunft entschaedigt. „Kostenlos“ heisst in den allermeisten Faellen natuerlich auch „unkomfortabel“. Dem Campingplatz von dem aus man den Ayers Rock in ca. 40 Minuten erreicht koennte man ruhigen Gewissens auch dieses Praedikat verleihen. Der Boden ist gespickt mit spitzen Steinen und in den Leuten, die nur ein Zelt und einen Schlafsack besitzen, koennte der Gedanke aufkeimen, dass die folgende Nacht nicht besonders erholsam wird. Ich gehoerte jedenfalls zu diesen Leuten.

„The Emu is eating your food“, rief ein kleines Maedchen frueh am Morgen. Damit hatte sie Recht, denn in der Kuehlbox in der unsere Essensvorraete lagerten, befand sich der Kopf eines Emus. Zum Glueck entpuppte sich das Emu nicht als Feinschmecker und begnuegte sich mit einem Stueck trockenem Baguette.

Nach einer Dusche, die soo kalt war wagten wir die letzte Etappe. Es trennten uns nurnoch wenige Kilometer vom Ayers Rock und nach kurzer Zeit tauchte er dann vor uns auf. Der Anblick glich den wunderschoenen Postkartenmotiven aufs Haar und es war nahezu unmoeglich den Kopf von dem roten Monolithen, der auch „Uluru“ genannt wird, abzuwenden. Nachdem jeder versucht hat das Optimale aus seiner Kamera herauszuholen fuhren wir zum Fusse des Giganten und planten bei einer Portion Bohnen und Ruehrei den naechsten Coup. Jeder kennt die typische Plateauform des Ayers Rock, die an beiden Enden steil in den Boden eintaucht. Aber wie zum Beispiel die Ansicht von der Rueckseite des Berges ist hat noch keiner von uns gesehen.  Wir machten uns also auf den etwa neun Kilometer langen Weg, der einmal komplett um den Uluru herumfuehrt. Trotz der Akklimatisierungsphase auf der Farm machte uns die Hitze ganz schoen zu schaffen und das Wasser, welches man bei der Haelfte der Strecke abzapfen konnte, verdiente nicht die Bezeichnung „Wasser“. Somit beliess ich es beim gelegentlichen Gaumenbefeuchten und konzentrierte mich lieber auf die staendig wechselnde Form des Felsens. Leider verloren wir die Zeit aus den Augen und verpassten es somit beim Sonnenuntergang einen adaequaten Blick  auf den rot strahlenden Riesen geniessen zu koennen. Das hiess also, dass wir noch einmal zurueckkommen mussten. Und wir waren uns einig, dass es schlimmeres gibt.

Am naechsten Morgen versuchten wir moeglichst schnell alle Nachwirkungen vom Vorabend, der in irgendeiner Hotelbar endete, ad akta zu legen und besuchten einen alten Bekannten. Doch dieses mal bot er uns eine Ueberraschung. Man durfte ihn naemlich erklimmen und den Blick aus ca. 370 Metern Hoehe ueber die Buschlandschaft schweifen lassen. Besonders ueberraschend fand ich, dass sich auf dem Plateau des Ayers Rock an kleinen Wasserstellen, die der Wuestenhitze trotzen, Krebse angesiedelt haben. Ich kam mir vor als haette ich Leben auf dem Mars entdeckt ;)

Die Umgebung des Uluru bietet jedoch noch weitere interessante Felsformationen, die es ebenfalls wert sind besichtigt zu werden. Die bekanntesten Felsen neben dem Ayers Rock sind die „Olgas“, die von den Aborigines „Kata Tjuta“, was soviel heisst wie „viele Koepfe“, genannt werden. Leider konnten wir nur relativ kurz in die Tiefen der „Koepfe“ eintauchen, denn wir wollten ja nicht noch einmal den Sonnenuntergang am Ayers Rock verpassen. Und dieses mal schafften wir es wirklich rechtzeitig an einem geeigneten Ort um beobachten zu koennen wie sich die Vorderseite (oder ist es die Rueckseite?) des Uluru in verschiedenen leuchtenden Rottoenen praesentierte. Von nun an konnte ich auch verstehen warum Abend fuer Abend tausende Menschen an diesen Ort pilgern und warten bis die letzten Sonnenstrahlen vom Antlitz  dieses Felsens gleiten. Es ist einfach wunderschoen!

Die letzten Tage unseres Ausflugs sollten uns dann noch einen Hoehepunkt bieten. Von einer  zweitaegigen Wanderung durch die Wildnis und wie man an das Auto kommt, das am anderen Ende des Wanderweges geparkt wurde, werde ich in meinem naechsten Bericht fuer Euch aufarbeiten. Und dieses Mal wird es wohl nicht ganz so lange dauern, bis es mal wieder was zu lesen gibt ;)

Und wenn ich schon so von der Schoenheit des Ayers Rock schwaerme, dann muss ich natuerlich auch noch ein paar Bilder liefern. Viel Spass damit und bis zum naechsten mal.

 

Gruss, Tobi

 

Lucky und ichDie Olgas von NahemDie Olgas

Kuerbisregen

Okt
12

Nach der etwa vier woechigen “Orientierungsphase” in allen Moeglichen Ecken Australiens durfte nun endlich in die Haende gespuckt werden.
Der Standort der Farm scheint nicht gerade der guenstigste zu sein, denn ausser rotem Boden und einer Menge Gestruepp ist hier weit und breit nichts zu sehen. Regen gibt es hier so gut wie gar nicht und im Sommer klettern die Temperaturen auf bis zu 46 Grad Celsius. Ausserdem leben in diesem Gebiet vier der Gefaehrlichsten Schlangenarten der Welt. Wieso sollte man also ausgerechnet hier eine Farm betreiben?
Naja, mir war das “warum” ziemlich egal. Hauptsache das Geld stimmte.
Montagmorgen um halb acht wurde es dann Ernst. Nach einer Sicherheitseinweisung am Fruehstueckstisch sprangen Julian und ich auf die Ladeflaeche eines Farmfahrzeuges auf und wurden zur ca. 300 Meter entfernten Farm gebracht. Dort empfingen uns die anderen Arbeiter und schuettelten brav die Haende. Neben zwei Aborigines aus Ali Curung standen wir auch einem Farmer wie er im Buche steht gegenueber. “Murray” trug um sein sonnengegerbtes Gesicht kurze, dunkle Haare, einen Dreitagebart und einen Hut mit breiter Krempe. Waehrend wir in Sydney noch relativ gut verstaendliches Englisch zu Gehoer bekamen waren wir bei ihm haeufig ratlos. Wer da nicht hellwach war verstand manchmal gerade einmal das “Aigh!”, das ans Ende jedes etwa zweiten Satzes gehaengt wurde. Dieses “Aigh!” hat keine spezielle Bedeutung, aber es hoert sich halt einfach nur laessig an und das ist ja auch nicht unwichtig. Auch vom Arbeitsverhalten her passt Murray wunderbar ins Bild des australischen Musterfarmers, denn als Verfechter des Mottos “Was nicht passt wird passend gemacht” sieht er alles ein bisschen unkomplizierter.
Nun standen wir also dort und warteten auf unseren ersten Arbeitsauftrag. Inzwischen wussten wir ja, dass wir ein paar Zaeune als Windschutz errichten sollten, aber wie wir das anstellen sollten wussten wir immer noch nicht. Dann gab es die erste Anweisung: Aus einer Rolle Draht sollten wir etwa zehn Zentimeter lange Stuecke anfertigen. Davon ganze 1200 Stueck. Und so langweilig wie es sich anhoert war es auch. Die naechste Aufgabe war da schon actionreicher und anstrengender und liess die ersten Zuege eines Zaunbaus erkennen. Mit Hilfe einer Pfahlramme wurden unzaehlige Metallpfosten in den trockenen, aber keinesfalls weichen Boden geschlagen. Da keiner der Anwesenden jemals mit dem Bau von Zaeunen in Kontakt gekommen zu sein schien gestaltete sich das ganze auch ein wenig chaotisch. Doch im Laufe der Zeit sollten wir uns zu Vollprofis in diesem Metier entwickeln und die Produktivitaet um ein Vielfaches steigern.
Von meinem ersten Arbeitstag konnte ich bereits einiges fuers weitere Leben mitnehmen. Zum Beispiel, dass dunkle Haut nicht gleich dunkle Haut ist. Noch Gluecklich ueber die Frisch erworbene Braeune folgte auch schon schnell die Ernuechterung… und zwar unter der Dusche. Dort floss sie naemlich innerhalb von Sekunden einfach so in den Abfluss. Genau genommen war es auch keine braune “Haut”, sondern rote Haut, die mich kurzzeitig so kerngesund aussehen liess.
Auch in Sachen Wortschatz konnte ich Dinge lernen, die ich mit Sicherheit noch einige Male in meiner Karriere als Arbeitstier gebrauchen kann. So lernte ich beispielsweise, dass das Wort Blase, also die, die man z.B. am Finger bekommt, wenn man stundenlang Draht schneidet, auf englisch “blister” heisst.
Und noch etwas nahm ich aus diesem Tag mit: einen Spitznamen. Ich weiss zwar nicht wirklich wie es dazu kam, aber man nannte mich von diesem Tag an “Tiger”. Und ich muss sagen, dass ich schon schlechtere Spitznamen gehoert habe ;)
Im weiteren Verlauf der Woche lernten wir dann auch noch alle weiteren Kniffe, die man braucht um einen adaequaten Zaun zu errichten. Dazu muessen Draehte gespannt, dieselben an den Pfosten befestigt und 50 Meter lange Stoffbahnen, die stark an Kartoffelsaecke erinnern, mit Hilfe einer mit Metallclips geladenen Pistole an das gesamte Konstrukt geschossen werden. Dies alles wurde uns aber durch Mutter Natur ungemein erschwert, denn in der Wueste ist das Wetter nicht immer so gut wie man es sich vorstellt. An den ersten Tagen blies uns der Wind den Sand ins Gesicht und wenige Tage spaeter setzte dann auch noch Regen ein. Doch als Soehne der Stadt Wuppertal waren wir gerade hier in unserem Element und arbeiteten unermuedlich weiter. Dies fuehrte dazu, dass wir am Ende der Woche unseren Stundenlohn mit der beachtlichen Zahl 61 multiplizieren konnten.
In den naechsten Wochen wurden dann unsere Einsatzbereiche ausgeweitet. Neben den Zaeunen stand nun auch das Pflanzen von Kuerbissen und Melonen und auch das Ernten von Kuerbissen auf dem Programm. Waehrend man beim Pflanzen auf einem mehr oder weniger bequemen Sitz von einem Traktor durch die Felder gezogen wird muss man bei der Ernte selbst dafuer sorgen, dass der eigene Koerper irgendwie am anderen Ende der 400 Meter langen Bahn ankommt. Zunaechst laeuft man dabei stundenlang in gebueckter Haltung und mit einer Schere bewaffnet auf der Suche nach gut gediehenen Kuerbissen durch die Reihen und trennt diese vom Rest der Pflanze. Wenn dies getan ist hat man nicht nur Rueckenschmerzen, man hat dann auch die naechste schweisstreibende Aufgabe vor sich. Um irgendwann auch beim Kunden auf dem Teller landen zu koennen muessen sie auch erstmal vom Boden aufgehoben werden. Dies gestaltet sich je nach Kuerbissorte mehr oder weniger spassig. Waehrend man die Kuerbisse mit dem lecker klingenden Namen “Butternut” locker einhaendig und auch mal per Rueckhandwurf zum Faenger werfen kann, wuenscht man sich bei den Jarrahdale- Kuerbissen, die auch schonmal ueber 15 Kilogramm auf die Waage bringen, eine dritte Hand. Doch wenn man das ganze sportlich sieht, dann kann man das als etwas intensiveres Medizinballtraining durchgehen lassen. Auch beim Fangen der Kuerbisse versuchte ich Parallelen zu einem Handballtraining zu ziehen. Dort kam manchmal geradezu ein richtiger Kuerbisschauer auf einen zu, den man sauber unter Kontrolle bringen und in grossen Kartons verstrauen musste. Dabei wurde jeder Fehler knallhart bestraft, denn den Kuerbissen ist es egal ob sich ein Kopf in der Flugbahn befindet oder nicht. Einen Fehler machte ich und das auch leider bei den etwas unhandlicheren “Burschen”. Hier waren gute Nehmerqualitaeten gefragt und ich habe den Eindruck, dass sich die “deutsche Eiche” langsam aber sicher als Leitmotiv waehrend meines Australienaufenthaltes herauskristallisiert.
Vier Wochen nach unserer glorreichen Ankunft am angesagtesten Treffpunkt fuer Aliens sollte unsere Arbeit getan sein und neues Land erkundet werden. Auf dem Programm stand eine Reise zur beliebtesten Sehenswuerdigkeit der Wueste Australiens. Es war nun also an der Zeit den legendaeren Ayers Rock unter die Lupe zu nehmen. Wie sich die Fahrt dorthin gestaltete und was es ausser dem riesigen Monolithen zu entdecken gab werde ich Euch im naechsten Bericht verraten.

Eines habe ich aber noch anzumerken: Nach etwa zwei Monaten in Australien, wovon ich vier Wochen mitten im Outback gelebt habe, habe ich weder eine Schlange, noch ein Kaenguru zu Gesicht bekommen… was haben mir die Leute da nur immer ueber Australien erzaehlt? ;)

Bis dann,
Tiger

Ali Curung

Sep
28

Nun bin ich also mittendrin im “Aboriginegeschehen” und kann einen Blick hinter die Kulissen, die aus Didgeridoos und Alkohol bestehen, werfen. Beides ist hier sogar sehr schwer aufzufinden, denn der Besitz und der Konsum von Alkohol ist in diesem Ort komplett untersagt. Als ich dies erfuhr fiel mir zunaechst die Kinnlade herunter und ich dachte mir: “Wo bin ich denn hier gelandet? Erst die Aliens und dann das! Die wollen mich wohl verarschen…!” Aber es steht schwarz auf weiss auf dem Ortseingangsschild und deshalb schenke ich dem ganzen Spuk ausnahmsweise meinen Glauben. Wenn man darueber nachdenkt ist das sogar eine sehr gute Sache, denn der Alkohol ist unter den Aborigines ein weit verbreitetes Problem.
Didgeridoos sind hier zwar nicht verboten, aber ich denke mal, dass die Leute hier etwas besseres zu tun haben als zu musizieren und gegebenenfalls noch einen Regentanz aufzufuehren. Das Verbrennen von Autos scheint zum Beispiel ganz hoch im Kurs zu stehen. Wenn man die von Muell gesaeumten Strassen entlangschlendert muss man etwas Geduld mitbringen um ein Auto zu finden bei dem nicht mindestens die Reifen fehlen. Da fragt man sich natuerlich was man mit diesen Autowracks noch anfangen soll. Aber hier haben die Buerger von Ali Curung eine feine Loesung gefunden. Das Auto auf’s Dach werfen und anzuenden oder einfach direkt anzuenden. Da wird einem noch wenigstens was fuers Auge geboten. Neben brennenden Autos haben die Bewohner aber noch eine weitere Leidenschaft. Ali Curung bedeutet bei den Aborigines so viel wie “Hundetraum” und somit laesst sich auch leicht erraten, dass die Hunde in diesem Ort eine besondere Rolle spielen. Wie dem Inder die Kuehe sind dem Bewohner von Ali Curung die Hunde heilig. Da verwundert es einen nicht, dass man auf den Strassen mehr Hunden als Menschen ueber den Weg laeuft. Diese sehen aber alles andere als verwoehnt aus, denn das ungepflegt aussehende Fell schmiegt sich eng an die knochigen Koerper an.
Die menschlichen Bewohner scheinen jedoch relativ wohlhabend zu sein. Der Indikator dafuer ist wohl, wie mir gesagt wurde, dass sie Kleidung tragen. Da moechte ich keine arme Aboriginekommune sehen, denn schon diese hier erinnert einen an die Bilder, die man aus Dritteweltlaendern kennt.
Die Arbeitslosigkeit liegt hier wahrscheinlich bei ca. 95%, denn das Arbeiten scheint wohl nicht so die Sache der Aborigines zu sein. Eine traditionelle Lebensform, die das Streben nach Wohlstand wohl nicht beinhaltet, wuerde da einen Widerspruch bilden. Der australische Staat loest dieses Problem mit Subventionen, die ca. 1000 Dollar, also etwa 600 Euro, pro Kopf und pro Woche betragen. Warum sollte man da also noch arbeiten gehen?
Der Ort bietet trotz des Mangels an Arbeitskraeften eine Reihe an oeffentliche Einrichtungen. Neben einer Kirche und einer Schule gibt es einen kleinen Supermarkt, eine Baeckerei, ein Kunstzentrum und sogar ein Internetcafe. Der erste Besuch im Supermarkt hatte schon etwas unheimliches an sich. Neben den vielen Aborigines, die an der Kasse anstanden, wirkte man wie ein Fremdkoerper und fuehlte sich staendig beobachtet. Unheimlich sind auch die Preise, denn diese uebersteigen die Preise, die man aus groesseren Staedten gewohnt ist, um einiges. Naja, eine Tuete Chips musste natuerlich trotzdem her… auch wenn sie fast das dreifache des ueblichen Preises kostete ;)
Eine interessante Anekdote ist auch wie hier fuer Recht und Ordnung gesorgt wird. Die Polizei von Ali Curung sperrt die Leute, die eine Straftat begehen, naemlich nicht so gerne ins Gefaengnis. Viel spassiger ist es doch wenn man die Autos der Straftaeter beschlagnahmt und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nach einer Weile verbrennt. Ein Verbrechen sorgt in diesem Ort also (dieser schlechte Witz muss jetzt sein) fuer viel Zuendstoff.
In diesem Ort befanden Julian und ich uns also am Tag nach der Abreise aus Darwin. Und da unser Arbeitgeber nach dem Kirchenbesuch immernoch im Besitz seines fahrbaren Untersatzes war konnten wir noch einen Ausflug machen, der uns eine weitere Facette aus dem Lebens der Aborigines zeigte: Die Suche nach Nahrung im Outback.
Zusammen mit zwei Dorfbewohnerinnen durchstriffen wir die Landschaft, die wirkte, als wenn noch nie ein Mensch zuvor dort gewesen sei. Ich wusste ueberhaupt nicht wonach wir suchten, aber ich heftete mich einfach mal an die Fersen der anderen. Schon nach kurzer Zeit machten wir vor einem Baum mit weisser Rinde Halt und die Aboriginefrauen hielten ihre Ohren an den Baum. An ihrer Koerpersprache erkannte ich, dass dieser Baum das ist wonach sie gesucht haben. Sie schwangen nun mit Aexten um sich und schlugen fachmaennisch ein Stueck aus dem Baumstamm heraus. Und nun kam der Moment in dem das Geheimnis gelueftet wurde. Im Stamm des Baumes befanden sich Honigbienen, die, wie der Name schon sagt, Honig produzieren. Eine der Damen zoegerte nicht lange und fertigte behende mit ihrer Axt eine Schale aus der Rinde eines anderen Baumes an. Auf diese Schale wurde nun die Beute transferiert und jeder durfte einmal kosten. Garnicht so schlecht! Diese Prozedur ging noch eine Weile so weiter und als die emsigen Damen aus Ali Curung auch langsam muede wurden traten wir mit vielen neuen Erfahrungen im Gepaeck den Rueckweg in unser neues Heim an.
Dort hatten wir noch ein bisschen Zeit um alle Erlebnisse des Tages Revue passieren zu lassen und uns mental auf den ersten Arbeitstag auf der Farm vorzubereiten. Was uns dort erwartete und wie es in den folgenden Wochen auf der Farm weiterging werde ich in meinem naechsten Bericht schreiben.

Und hier noch ein paar Bilder, die meinen Worten ein bisschen mehr Leben einhauchen ;)

Wycliffe What?

Sep
14

Nach dreieinhalb Wochen Urlaub in Australien sollte es nun endlich mal an die Arbeit gehen, denn ich habe beschlossen, dass eine knappe Stunde nachts auf der Strasse zu sein vollkommen ausreicht. Also setzten Julian und ich uns um 11 Uhr mittags (oder auch morgens ;)) in einen Bus, der uns nach “Wycliffe Well” bringen sollte. Da sicherlich alle wissen wo Wycliffe Well liegt erspare ich mir jetzt eine genaue Beschreibung. Wir hatten also eine lange Fahrt vor uns, die uns zu allen moeglichen Orten fuehrte, die wir schon immer mal sehen wollten. Zu sehen gab es dort nichts. Nach ueber 17 Stunden Fahrt, es war also inzwischen fast halb fuenf am Morgen, befanden wir uns knapp 400 Kilometer noerdlich von Alice Springs und somit mitten im Outback. Soviel zu “in der Naehe von Alice Springs”. Endlich war es also soweit, dass wir von unserem neuen Arbeitgeber, der uebergluecklich ueber diese frischen, fleissigen deutschen Arbeiter ist, waermstens empfangen werden. So war es zumindest abgemacht. Der Busfahrer fragte noch einmal nach, ob wir denn auch von hier abgeholt werden und wir versicherten ihm, dass in den naechsten Minuten jemand erscheinen wird. Die einzigen, die uns empfingen waren drei Alienfiguren, die vor einem Pyramidenfoermigen UFO stehen. Wycliffe Well ist naemlich dafuer bekannt, dass dort die meisten UFOs in ganz Australien gesichtet werden. Zudem verspricht ein Schild am Strassenrand “The Worlds Best Beer”. Das hoert sich doch schon besser an als “UFO Centre of Australia”. Aber das brachte uns in dem Moment leider nichts, denn mitten in der Nacht war es eher unwahrscheinlich, dass jemand uns hier ein Bier verkauft. Und ein UFO bekamen wir auch nicht zu gesicht. Wir schauten uns also zunaechst einmal ein wenig um und stellten schnell fest, dass der gesamte Ort nur aus einem Caravan Park und einem Restaurant besteht. Die Einwohnerzahl betraegt, wenn man alle Wesen aus fernen Welten abzieht, stolze 6! Hier sollen wir also arbeiten? Irgendwie fuehlten wir uns ziemlich verarscht. Doch dann kam die geniale Idee: Wir rufen einfach unseren “Kontaktmann” an und fragen ihn, ob er nicht irgendwas vergessen habe. Achja! Das Handy geht ja mitten in der Wueste garnicht… so ein Pech aber auch. Na dann eben die Telefonzelle. Schnell ein wenig Kleingeld zusammengekratzt und dann sollte sich unser kleines Problem in Luft aufloesen. Vor dem Telefonapparat angekommen rieb ich mir dann die Augen. “Hier ist kein Schlitz”, analysierte ich die Situation praezise. Und ich dachte, naiv wie ich bin, dass nur in Deutschland nahezu alle Muenzapparate abgeschafft wurden…

Nun mussten wir also Risikobereitschaft zeigen und sogar unser Leben aufs Spiel setzen, denn ungeladene Gaeste erwartet im Caravan Park eine ganz besondere Ueberraschung… wenn man dem Schild am Zaun Glauben schenkt. “Keep out! Trespassers liable to be bitten or shot” prangte unuebersehbar am Eingangstor. Julian erklaerte sich bereit seinen Koerper zu opfern und nach kurzer Zeit begegnete er einer kleinen, alten Asiatin, die entgegen aller Versprechen ohne Hund und Flinte aufkreuzte. Erfreut war sie trotzdem nicht gerade von unserer Anwesenheit. Ihre aetzenden, kraechzende Stimme unterstrich dies. Wir versuchten ihr unsere verzwickte Lage zu schildern und somit ihr Herz im Sturm zu erobern. Doch dies gelang uns nicht und wir ernteten sogar Gelaechter dafuer, dass wir hier sind um einen Zaun aufzubauen. Es war also Zeit fuer unsere letzte Waffe. Der Hundeblick. Natuerlich zogen wir sie so auf unsere Seite und durften uns auf einem kleinen Grillplatz, der hier wohl eher Barbecueplatz heissen wird, ausbreiten. Es wurde uns sogar Kaffee und Tee gereicht. Kekse gab es nicht. Jetzt hiess es also an diesem ueberaus merkwuerdigen Ort auszuharren und auf den Erloeser zu warten, der uns in eine alienfreie Zone bringt. Um ca. halb acht, wir befanden uns inzwischen im Gastronomiebereich von Wycliffe Well und studierten die Zeitungsberichte, die ueber UFOs und Aliens berichten und mehrere Waende schmuecken, hoerten wir dann ein Telefon klingeln und wir wussten sofort, dass dies ein gutes Zeichen ist. Jemand erkundigte sich nach zwei Deutschen, womit offensichtlich wir gemeint waren und kurze Zeit spaeter kam ein kleiner, baertiger Mann mit Hut auf uns zu und stellte sich als der Farmer vor, fuer den wir die naechsten Wochen arbeiten sollen. Nun strichen wir alle Verschwoerungstheorien aus unseren Koepfen und stiegen mit Warwick, so heisst der Farmer, in ein Auto und machten uns auf den Weg zur Farm. Die Farm, die den klangvollen Namen “Desert Springs” traegt, befindet sich noch einmal ein gutes Stueck weit weg von Wycliffe Well und gehoert zu dem kleinen Aboriginedorf “Ali Curung”. Auf dem Weg dort hin erfuhren wir auch, dass die ganze Geschichte mit dem Hasenzaun Unsinn ist. Wir sollen zwar Zaeune errichten, aber nicht zum Schutz vor Hasen, sondern zum Schutz vor Wind. Dieser koennte naemlich fuer die frisch gepflanzten Kuerbis- und Melonenpflanzen das Aus bedeuten und somit die komplette Ernte gefaehrden. Manch einer fragt sich jetzt vielleicht: “Melonen und Kuerbisse in der Wueste? Geht das ueberhaupt?” Das habe ich mich zumindest gefragt und zu meiner Ueberraschung konnte ich sehen, dass das sogar sehr gut geht.

Doch bevor es raus aufs Feld ging zogen wir erst einmal in unsere neue Bleibe ein. Die Haeuser der beiden Familien, die unweit der Farm leben, kann man als weisse Container bezeichnen. Und davon sollte ein Raum fuer die naechsten Wochen unserer sein. Das hoert sich jetzt aeusserst unkomfortabel an, doch nach ein paar Wochen im Hostel erschien uns dies als luxurioes. Endlich konnte man mal seinen grossen Rucksack komplett auspacken und sich ausbreiten. Doch viel Zeit um uns von der langen Reise auszuruhen blieb uns nicht, denn nachdem wir uns den restlichen Familienmitgliedern vorgestellt haben machten wir einen Ausflug ins Zentrum von Ali Curung, das etwa 12 Kilometer entfernt liegt. Der Grund fuer unsere Fahrt dort hin war ein Kirchenbesuch. Wann war ich eigentlich das letzte Mal in der Kirche? Keine Ahnung. Aber man wollte ja nicht unhoeflich sein.

Nachdem Warwick uns gezeigt hat welches Gebaeude die Schule von Ali Curung ist meinte er: “Und das hier ist die Kirche”. Ich konnte keine Kirche sehen… nur ein Toilettenhaus, wie man es von Rastplaetzen an deutschen Autobahnen kennt. Doch er steuerte schnurgerade auf dieses Gebaeude zu und ein kleines Kreuz darauf gab uns nun auch den Hinweis, dass dies doch keine Toilette ist. Wir betraten nun also die Kirche und steigerten die Quote der Anwesenden mit einem Schlag um mehr als 100 Prozent. Die Ausstattung des Raumes war eher spaerlich. Ein paar Stuhlreihen auf der linken und ein kleiner Altar, ein Projektor und eine kleine Leinwand auf der rechten Seite. Vor der ersten Stuhlreihe stand noch ein Keyboard, das fuer die Musikuntermalung waehrend des Gesangs sorgte. Der Gottesdienst startete nun auch schon und jeder der etwas vorzutragen hatte tat dies auch. Es wirkte alles ein wenig improvisiert und die Melodie, die aus dem Keyboard kam, war immer die gleiche. Doch die Leute waren gluecklich damit und das ist ja die Hauptsache. Die umherlaufenden Hunde stoerten sie auch nicht. Hier laeuft also alles ein wenig anders ab als in Deutschland und ich, der nur aeusserst selten einen Fuss in eine Kirche setzt, war froh diese interessante Erfahrung gemacht zu haben.

Wie der weiter Tag verlief und noch ein paar wirklich interessante Sachen ueber das Leben in einem Aboriginedorf erfahrt ihr in meinem naechsten Bericht.

Die Nacht war kalt

Gefuehlsachterbahn in Darwin

Sep
07

“Ich hoere eine Sirene heulen. Der Mond lugt ueber mir hinter dem Geaest eines Baumes hervor.Es muss kurz nach Mitternacht sein und ich moechte herausfinden was dort vor sich geht. Mein Blick schweift ueber die Grasnarbe und bleibt an dem Gebaeude haengen aus dem das Geheule der Sirene zu kommen scheint. Mein feines Naeschen nimmt den Geruch von brennendem Allerlei auf und nun sehe ich auch wie Menschen aus dem Gebaeude, es muss wohl das “Frogs Hollow Hostel” in Darwin sein, stroemen. Ich warte bis sich der Menschenauflauf beruhigt hat und wage einen Versuch die andere Strassenseite zu erreichen um mir einen genauen Eindruck davon verschaffen zu koennen was in dem Hostel vor sich geht. Aber da kommen noch ein paar Nachzuegler, die sich zu der Gruppe gesellen moechten. Einer davon, er traegt ein weisses T-Shirt und eine Jogginghose, die er falsch herum angezogen hat, bleibt vor mir stehen und schaut mich mit verknautschtem Gesicht an. Hoffentlich hat er es nicht auf mich abgesehen. Ich setze also meine sechs Beine und meinen dunklen, laenglichen Koerper in Bewegung und eile in die Richtung aus der der unwiderstehliche Geruch kommt…”

Ich schaue der Kakerlake hinterher und reibe mir die Kniesten aus den Augen. “Feuer in einem Zimmer”, hoert man die Leute munkeln. Deshalb also dieser Aufruhr. Ich dachte zunaechst die Sirenenlaute kommen in einem meiner absurden Traeume vor, aber nun ist es eindeutig , dass ich in Fleisch und Blut auf der Strasse stehe. Kurz darauf trifft auch die Feuerwehr gemaechlich ein und baendigt die lodernden Flammen innerhalb weniger Minuten. Gegen 1 Uhr duerfen dann alle wieder zurueck ins Hostel und damit fortfahren wobei sie knapp eine Stunde zuvor unterbrochen wurden. Innerhalb weniger Sekunden war ich also wieder im Land der Traeume.

Den Schlaf hatte ich mir redlich verdient, denn ich hatte einen nervenaufreibenden ersten Tag in Darwin hinter mir. Zur Mittagszeit machten Julian und ich uns mit einem guten Gefuehl in der Magengegend auf den Weg eine Arbeitsstelle im Bereich “Fruitpicking” zu suchen. Dies sollte laut Work & Travel Organisation in Sydney auch “ueberhaupt kein Problem” sein. Harte und ehrliche Arbeit sollte uns also unser taeglich Brot sichern. Doch zunaechst sollte sich der Weg zu dieser harten Arbeit als ueberaus steinig erweisen, denn schon nach kurzer Zeit wurde uns offenbart, dass es in dem Bereich Fruitpicking momentan sehr schlecht aussieht. “Und ueberhaupt sieht es momentan eher duerftig aus. Aber im September gibt es wieder viele Angebote.” Doch bis September waren es noch knapp drei Wochen und so lange wollten wir nicht mehr warten, denn die Geldreserven schrumpften langsam aber stetig. Tja, was nun? Es war nun an der Zeit Plan B und C zu schmieden. Wir sondierten nun also auch den Markt im Westen Australiens und im weiteren Umfeld von Darwin. Zudem schauten wir, dass wir die Zeit bis zum Antritt unseres ersten Jobs moeglichst kostenguenstig ueberbrueckten.

Neben den Kosten fuers Essen setzten wir die Schere bei den Kosten fuer die Unterkunft an. Und der Optimalfall sah vor, dass diese Kosten komplett wegfallen. Der Plan war nun, dass wir in Hostels nachfragen, ob Hilfskraefte im Bereich Reinigung oder was auch immer ansteht benoetigt werden. Der Kuerzeste Weg war der zur Rezeption des Hostels in dem wir wohnten und nach einem Gespraech, das nicht einmal eine Minute dauerte, hatten wir unseren ersten “Minijob” in der Tasche. “In fuenf Minuten” sollte es losgehen und die Aufgabe bestand darin ein Zimmer komplett auszuraeumen und die Waende zu saeubern. Ihr ahnt es sicherlich schon… es war das Zimmer in dem es in der letzten Nacht gebrannt hat. Also spuckten wir in die Haende und gaben alles um dem Zimmer ein etwas besseres Aussehen zu verpassen. Der Lohn war eine kostenlose Uebernachtung. Na also! Wenigstens ein kleines Erfolgserlebnis. Die Gluecksstraehne endete hier aber noch nicht. Waehrend unserer Aufraeumtaetigkeit erfuhren wir von einem Job in der Naehe von Alice Springs. Es wurden zwei Leute gesucht, die einen Zaun aufbauen sollen, der verhindern soll, dass Hasen in ein bestimmtes Gebiet kommen. Hoert sich zwar komisch an, aber unser Interesse war trotzdem geweckt. Und nach ein paar Telefonaten hatten wir dann auch wirklich den Job eingestielt. Es sah also alles nach einem Glueckstag fuer uns aus. Am Abend setzte aber eines dem Ganzen noch die Krone auf. Nach dem Besuch eines “Bottleshops” konnte ich mich einen stolzen Besitzer eines eisgekuehlten Oettinger- Bieres nennen. In Australien weiss man diese Sachen erst einmal richtig zu schaetzen. Der Abend klang also aeusserst prickelnd aus und gab Kraft fuer den naechsten und letzten Tag in Darwin.

Auch an diesem Tag traten wir unseren Job als Putzkraefte an um noch einmal ein paar australische Dollar sparen zu koennen. Doch dieser Tag bat uns auch zum ersten Mal die Gelegenheit den Ort in Ruhe zu erkunden. Der Botanische Garten, der in dieser Klimazone noch einmal ganz andere Pflanzen als in Sydney versprach, und der Strand standen dabei ganz oben auf der Liste. Nachdem wir diese Werke der Natur also auf uns wirken gelassen hatten liessen wir auch ein Werk des Menschen auf uns wirken. Bier. Auch an diesem Abend sollten also unsere Gaumen von einem kulinarischen Leckerbissen betraeufelt werden. Und so klang unser Aufenthalt in Darwin doch noch mit einem Gefuehl des Gluecks aus.

Am naechsten Tag machten wir uns also auf den Weg zu unserem ersten richtigen Arbeitsplatz. Und auch diese Fahrt sollte es in sich haben, denn dort kamen wir mit dem Uebernatuerlichen in Kontakt. Wie dies aussah , wo wir letztendlich landeten und was wir wirklich fuer einen Job antraten erfahrt ihr in meinem naechsten Bericht.

Gruss, Euer Reisender


Entspannter Abend

Erste Outbackeindruecke

Aug
31

Nach zwei Wochen Grossstadtleben sollte es endlich dort hingehen wo zwei Maenner, wie Julian und ich es sind, auf dem Arbeitsmarkt gebraucht werden. Es sollte der florierende Norden sein. Also kauften wir uns Zugtickets und starteten den Trip gen Norden, der sechs Tage dauern sollte. Von der Zugfahrt erhofften wir uns die ersten Outbackimpressionen und die sollten wir auch bekommen. Ausserdem bat sich so die Moeglichkeit fuer eine Stipvisite in die Hauptstadt von “South Australia”.Es ging also zunaechst nach Adelaide, welches ca. 1600km von Sydney entfernt liegt. Oder in einer anderen Zeiteinheit gemessen: ziemlich genau 24 Stunden Zugfahrt. Wir hatten also genug Zeit um Landschaft und Reiselektuere zu studieren.

Wie auch schon bei der Fahrt in die Blue Mountains naeherten wir uns unserem Ziel in einem sehr gemaechlichen Tempo. Wenigstens konnte man somit in Ruhe ein paar Fotos schiessen… waeren da nicht die verdreckten Scheiben gewesen, die beinahe jeden Schnappschuss mit zahlreichen Makeln versahen. Lohnenswerte Motive baten sich einem naemlich schon kurz hinter Sydney, wo sich die Landschaft drastisch wandelt und zu dem wird, was in Australien “Busch” genannt wird. Der Busch ist eine Vorstufe vom Outback und laesst einen bereits erahnen, was einen im “roten Zentrum” erwarten wird. Doch schon bald verschwand die Sonne am Horizont und man begann darueber nachzudenken, wie man die bevorstehende Nacht wohl am bequemsten gestalten koennte, denn ausser den Zugsitzen blieben nicht viele Alternativen um die Augen fuer ein paar Stunden schliessen zu koennen. Letztendlich konnte ich zwei Sitze meinen Schlafbereich nennen und mich darauf “ausbreiten”.

Nach einer verdammt unbequemen Nacht freuten wir uns schon auf die Hostelbetten, die uns in Adelaide erwarteten. Irgendwann war es dann auch soweit, dass wir die ca. 1,5 Mio. Einwohner zaehlende Stadt erreichten, die es schwer hat einen zu begeistern, wenn man zuvor in einer Stadt wie Sydney war. Aber hier mussten wir nun fuer drei Naechte bleiben und das Beste draus machen. Da aber auch das Wetter ziemlich bescheiden war und eher an die Heimat erinnerte (es hagelte sogar einmal kurz), war es schwierig etwas mit seiner Zeit anzufangen. Eine Sache hat sich jedoch in meinen Kopf eingebrannt: An Wochentagen kostet der Cheeseburger bei Hungry Jack’s zwischen 17 und 18 Uhr nur 99 Cent, also umgerechnet ca. 60 Eurocent. Es wuerde sich also doch lohnen hier noch einmal zurueckzukehren… aber nur von 17 bis 18 Uhr ;)

Am Sonntag sollte dann der spannendere Teil unserer Reise nach Darwin beginnen. Gegen Mittag stiegen wir in den Zug, der sich “The Ghan” nennt und es einem ermoeglicht Australien einmal komplett von Sueden nach Norden zu durchqueren. Dieser Zug ist etwas ganz Besonderes fuer den Kontinent, denn erst ca. 150 Jahre nachdem die Idee, eine Durchquerung per Zug zu ermoeglichen, in einem klugen Kopf heranwuchs konnte dieses Projekt umgesetzt werden. Waehrend der Zugfahrt laesst sich auch erahnen weshalb dies so lange gedauert hat, denn nach der ersten Nacht ist die Landschaft wie ausgetauscht. Aus der Buschlandschaft wurde ein scheinbar unendlich langes rotes Feld auf dem sich ein paar Straeucher verirrt zu haben scheinen. Am Horizon erscheinen in unregelmaessigen Abstaenden Vorboten des Ayers Rock, der irgendwo in dieser endlosen Weite sein muss. Menschen? Fehlanzeige. Ab und zu sieht man ein paar Emus die Wueste durchstreifen oder Kuehe, die auf der nicht vorhandenen Wiese grasen.

Nach einer Weile machte der Zug einen Zwischenstopp in Alice Springs, der Stadt, die das Hauptportal zum Ayers Rock ist. Doch dieser muss sich noch ein wenig gedulden bis der “Kaengurumann” ihm einen Besuch beschert. Alice Springs hingegen nicht. Diese Kleinstadt ist zwar der Ort mit den meisten Einwohnern im Zentrum Australiens, hat aber nur wenig mit Staedten wie Sydney oder Adelaide gemeinsam. Hier traf ich erstmals auf Aborigines, die nicht auf dem Gehweg sitzen und mit Elektroklaengen untermalte Didgeridoomusik praesentieren. Manche davon goennten sich gerade ihr wahrscheinlich sechstes Bier des Tages… einige gingen aber auch einfach nur einkaufen. Neben den Aborigines und einigen Souvenirgeschaeften zog aber auch der Fluss, der durch Alice Springs fuehrt meine Aufmerksamkeit auf sich. Das Besondere an diesem Fluss, dem Todd River, ist, dass er so gut wie immer ausgetrocknet ist und nur alle Jubeljahre Wasser in sich fuehrt. Dies veranlasst einige bekloppte Australier einmal im Jahr dazu ein “Trockenbootrennen” im Flussbett zu veranstalten. Ja, so sind die… aber wer weiss, ob ich nicht auch einmal die deutschen Farben bei dieser enorm wichtigen Veranstaltung vertreten werde.

Natuerlich musste auch die Reise nach Darwin fortgesetzt werden und somit fand sich Euer werter Erzaehler kurz vor Sonnenuntergang auf Platz 23 in Wagon R wieder. Diesesmal blieb jedoch bei der Suche nach einem adaequaten Schlafplatz jede Moeglichkeit zum Expandieren aus und das bedeutete, dass eine aeusserst ungemuetliche Nacht bevorstand, in der ich mich auch irgendwann mal auf dem muckeligen Boden wiederfand. Morgens um Punkt 7 Uhr wurde man dann auch sanft durch eine Durchsage, die einer Durchsage beim Autoscooter auf der Kirmes aehnelte, aus dem Schlaf gerissen. Ein Blick aus dem Fenster liess einen erfahren, dass man die weite rote Ebene allmaehlich verlassen hat und nun in ein subtropisches Klima eingetaucht ist. Die Vegetation hat stark zugenommen und auch die Termitenhuegel, die nun zahlreich vertreten sind, wurden immer groesser je weiter man sich dem Ziel naeherte. Nach zahlreichen Partien Romme erreichten wir dann endlich das Ziel unserer Traeume. Die erste Haerausforderung bestand nun darin ein Hostel zu finden, welches bereit ist uns gegen einen Obulus zwei Betten fuer ein paar Naechte zur Verfuegung zu stellen. Doch dies erwies sich als deutlich schwieriger als zunaechst angenommen. Schon in den ersten Hostels erfuhren wir, dass es momentan sehr schwierig ist ein freies Bett zu bekommen und ernteten dabei bemitleidende Blicke. Doch aufgeben wollten wir natuerlich nicht und zogen von einem Hostel zum naechsten. Nachdem wir aber auch dort keinen Erfolg hatten richteten wir uns schonmal auf eine weitere Nacht ohne Bett ein. Im Supermarkt wurde noch schnell etwas Proviant gekauft und damit machten wir uns auf den Weg zu dem Hostel, in dem wir unser Gepaeck freundlicherweise abstellen durften. Nur das angenehm warme Klima liess uns erfreuen, denn somit sollten wir in der Nacht wenigstens nicht frieren.

Aber wie es nunmal so oft bei schoenen und mitreissenden Geschichten ist, gab es doch noch ein “Happy End”. Eine Gruppe, die fuer diese Nacht ein paar Betten reserviert hatte, hat es sich wohl doch anders ueberlegt und somit konnten wir die Nacht in den wohl schoensten Betten, die wir uns vorstellen konnten (dieser Eindruck war nicht schwer zu erzeugen), verbringen.

Ja, und was haben wir jetzt daraus gelernt? Nichts! Denn das australische Motto “No worries” funktionierte mal wieder perfekt :D

Im naechsten Bericht wird dann zu erfahren sein, ob Darwin wirklich einen florierenden Arbeitsmarkt bietet und warum man einen Teil der Nacht trotz Hostel auf der Strasse und nicht im Bett verbringen muss.

Bis dann! Tobi