Jetzt ist’s mal wieder so weit. Der naechste Bericht ist fertig und ich glaube, dass es der laengste ist, den ich bisher verfasst habe. Es gab aber auch einiges zu berichten und ich hoffe, dass die ganze Sache nicht zu langatmig geworden ist. Ich habe jetzt einfach ein paar Berichte uebersprungen um Euch mal wieder was aktuelleres bieten zu koennen. Die fehlenden Berichte werde ich aber noch nachreichen und auch schauen, dass ab und zu mal wieder ein aktueller Bericht dabei ist. Und jetzt viel Spass (oder was auch immer) beim lesen!
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Es war 21.30 Uhr am Dienstag, den 06.01.2009. Eine frische Brise wehte mir durchs Haar und vor mir leuchtete die Skyline von Melbourne. Ich befand mich auf der “Spirit of Tasmania”, dem Schiff, das taeglich zwischen Melbourne und Tasmanien pendelt. Dies war mein erster Trip, den ich ganz alleine bestritt. Naja, eher gesagt nur der Ford Falcon, den mir mein alter Freund und Kupferstecher Hannes freundlicherweise fuer diesen Ausflug zur Verfuegung stellte und ich. Tasmanien ist eine Insel, die suedlich vom australischen Festland liegt und vor allem fuer seine duestere Vergangenheit bekannt ist. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts diente die Insel als britische Straeflingskolonie und war der Alptraum eines jeden Straftaeters. Doch das ist Vergangenheit und heutzutage zieht es die Leute vor allem wegen der vielfaeltigen Natur und den schoenen Wanderwegen hier hin.
Am Mittwochmorgen legte die Spirit of Tasmania nach einer etwa zehn stuendigen Fahrt bei strahlendem Sonnenschein im Hafen von Devonport an. Ich setzte mich in den frisch importierten Ford und fuhr los. Aber wohin genau? Die Welt, in diesem Fall eine Insel, die etwa so gross ist wie Oesterreich, stand mir nun vollkommen offen.
Am ersten Tag sollte erst einmal die Nordkueste erkundet werden und als erstes Ziel waehlte ich den Leven Canyon, der etwa eine halbe Autostunde von Devonport entfernt liegt. Doch ich brauchte dafuer fast die doppelte Zeit, denn etwa alle 200 Meter sah ich mich dazu genoetigt anzuhalten und ein Foto zu schiessen. Die Landschaft liess meine Augen erstrahlen und ich ueberlegte wie “Tassie”, wie es liebevoll genannt wird, aus der Vogelperspektive aussehen muss. Ich stellte es mir als eine komplett gruene Flaeche mit vielen blauen Punkten vor, denn wo ich auch hinfuhr war ich von Baeumen und Wiesen umgeben und immer wieder tauchten kleine Seen auf, die das staendige Gruen unterbrachen.
Nachdem ich die erste Fahrt auf tasmanischem Terrain hinter mir und auch den kurzen Fussmarsch zur Aussichtsplattform des Canyons zurueckgelegt hatte schaute ich eine 274 Meter tiefe Schlucht hinunter, durch die sich der Fluss Leven windet. Wenn ich den Blick nach vorne richtete sah ich nichts als gruene Berge. Und das schoene daran war: weit und breit war weder ein Mensch zu sehen, noch zu hoeren.
Nach einem ausgiebigen Fruehstueck, an dem auch ein Vogel teilnahm, der sich in einem Moment der Unachtsamkeit nach Herzenslust an meinem Brot bediente, setzte ich meinen Weg an der Nordkueste, entlang an tuerkisem Wasser und aussergewoehnlichen Felsformationen, fort. Als ich auf einem Felsen, der “The Nut” (Die Nuss) genannt wird, eine Runde drehte, hoerte ich ein Rascheln, das aus einem Busch kam. Der Sache wollte ich auf den Grund gehen. Vielleicht war ich ja sogar kurz davor den letzten Tasmanischen Tiger (Beutelwolf), der seit ueber 70 Jahren ausgestorben zu sein scheint, aufzuspueren. Als ich mit dem Fuss ein wenig im Gebuesch herumstocherte tat sich jedoch nichts. Doch kurz darauf sah ich wie etwas in einen Busch neben mir verschwand. Es hatte etwa die Groesse einer Katze und leider konnte ich es nur von hinten sehen (Ein Tasmanischer Tiger war es aber jedenfalls nicht). Meine Vermutung war, dass ich soeben einen Beutelteufel, besser bekannt unter dem namen “Tasmanischer Teufel”, zu Gesicht bekommen habe.
Zum Abend hin beschloss ich die duenn besiedelte und raue Westkueste Tasmaniens in Angriff zu nehmen. Eigentlich stand diese nicht auf meinem Reiseplan, doch das ungewoehnlich gute Wetter stimmte mich kurzfristig um. Rechtzeitig vor Sonnenuntergang erreichte ich den an der Westklueste liegenden “Peppermint Campingplatz”. Ich bekam Hunger auf Suessigkeiten, doch stattdessen bereitete ich auf einem Campingkocher ein Festmahl zu, das seines gleichen suchte. Es gab Suppe (mit Fleisch… immerhin) und Bohnen. Beides aus der Dose. Nachdem ich mir dann noch eine arschkalte Dusche goennte und den ersten Tag auf Tassie noch einmal Revue passieren liess (das Fazit fiel positiv aus) machte ich es mir in meinem Zelt bequem.
Nach einer windigen nach, in der dauerhaft die Kopfseite des Zelts gegen meine Ruebe klatschte (ich fuehlte mich ein wenig an die asiatische Foltermethode erinnert, bei der unaufhoerlich ein Tropfen auf die Stirn des zu Folternden tropft), setzte ich den Weg an der Kueste fort. Da diese Gegend vom Tourismus kaum befallen ist und auch sonst nicht so viele Menschen dort leben ist die Infrastruktur dementsprechend bescheiden. Das heisst: Schotterstrassen. Dies trieb meine Abenteuerlust aber noch weiter in die Hoehe. Neben der Abenteuerlust stieg vor allem aber auch mein Adrenalinspiegel an, als ich nach circa 25 Kilometern auf der unbefestigten Strasse spuerte wie die Reifen meines fahrbaren Untersatzes die Haftung verloren und ich auf die ueppige Vegetation am Fahrbahnrand zusteuerte. Doch gluecklicherweise konnte ich durch ein geschicktes Manoever den Bueschen entgehen… dachte ich. Das Lenkmanoever entpuppte sich dann doch als suboptimal, denn der Wagen drehte sich um etwa 200 Grad und letztendlich landete ich doch im Strassengraben. Zunaechst fluchte ich ein wenig, stieg aus (man konnte es eher klettern nennen) und betrachtete das Fahrzeug - fluchte erneut - schaute aufs Handy - kein Empfang. Ich schritt die Strasse hinab und analysierte die Reifenspuren. “Spektakulaer”, dachte ich mir. Da es aussichtslos war den Wagen wieder auf die Strasse zu bekommen und jeglicher Kontakt zur Aussenwelt abgeschnitten war hiess es nun warten bis jemand vorbeikommt. Ich setzte mich auf einen Hocker an den Strassenrand und ass eine Kaesestulle. Das beruhigte. Es dauerte auch garnicht lange bis ein Auto - jedoch etwas langsamer als ich zuvor - um die Kurve kam. Nach einer kurzen Beratschlagung stieg ich in das Auto der beiden Australier um in einem Ort einen Abschleppdienst rufen zu koennen. Die Richtung war zwar zunaechst die falsche, aber man konnte ja nicht ahnen wann das naechste Auto die Stelle passiert. Irgendwann begegnete uns aber ein Auto und es ging nun wieder in die andere Richtung. Mein neuer “Chaufeur” war Deutscher. Was fuer ein unglaublicher Zufall! Naja, besonders ueberraschend war das nicht, denn manchmal hat man den Eindruck, dass sich mehr deutsche in Australien herumtreiben als Kaengurus und Australier zusammen. Waehrend der Fahrt machte ich mir Gedanken wie ich jetzt ohne Fahrzeug weiterreisen soll. Und vor allem: wie ich das Hannes erklaeren soll.
Meine Laune hellte sich fuer einen kurzen Moment ein wenig auf als vor uns ein Tasmanischer Teufel die Strasse ueberquerte. Diesesmal konnte ich ihn genau erkennen und hatte nun also die Gewissheit, dass ich eines dieser doch relativ seltenen Tiere gesehen habe.
Wieder dort angekommen wo ich wenige Stunden zuvor noch im Zelt gelegen habe konnte ich dann einen Abschleppwagen rufen. Irgendwann trudelte er dann auch ein und wir konnten uns auf den Weg zum “Tatort” machen. Dort bargen wir den Ford sanft aus dem Gruen, das die Strasse saeumt. Anschliessend machten wir uns auf den Weg zur Werkstatt wo mir erst das Ausmass dieses Ausflugs in den Strassengraben bewusst wurde. Nach ein paar Handgriffen war das Auto wieder einsatzbereit und die Reparatur kostete gerade einmal 40 Dollar. Natuerlich war der Abschleppvorgang nicht ganz guenstig, aber ich konnte trotzdem mein Glueck kaum fassen, dass ich schon am gleichen Tag meine Reise fortsetzen konnte.
Zwei Zitate moechte ich zum Abschluss dieser Geschichte noch erwaehnen.
Da war zum einen die alte dame, die den Unfallort passierte und meinte:”Hauptsache Ihnen ist nichts passiert.” Und zum anderen war da der Mann, der mir diesen wertvollen Hinweis gab:”Man kann die Strecke auch mit 100- 120 Kilometern pro Stunde fahren. Man muss nur in den Kurven ein bisschen driften.”
So unterschiedlich kann man die ganze Sache sehen 
Ich entschied mich dagegen es noch einmal mit der Westkueste zu versuchen und verschaffte mir stattdessen eine moeglichst gute Ausgangsposition fuer den naechsten Tag. Dieser sollte etwas erfolgreicher werden als der vorherige.
Die ersten Sonnenstrahlen, die frueh morgens durch die Windschutzscheibe des wieder genesenen Falcon fielen waren das Zeichen dafuer, dass es Zeit zum Aufstehen war. Noch bevor die ersten Touristen an meinem idyllischen Schlafplatz erschienen kletterte ich schlaftrunken aus dem Kofferraum, rieb mir die Augen und dueste los.
Einen der vielen Nationalparks Tasmaniens nahm ich an diesem Tag unter die Lupe. Es hiess also: festes Schuhwerk anziehen, Sonnencreme auftragen und ausreichend viel Proviant mitnehmen. Ich begann mit der Umrundung eines Sees, der zusammen mit dem Cradle Mountain im Hintergrund das Motiv vieler Postkarten und eine der Hauptattraktionen Tasmaniens ist. Dieser Wanderweg diente sogleich auch als kleiner Fitnesstest fuer mich und schon zu Beginn konnte ich den ersten Erfolg verbuchen. Nach etwa dreihundert Metern steckte ich bereits die erste Seniorengruppe locker in die Tasche. Ein paar weitere kamen im Verlauf des Tages noch hinzu und die absolvierten Kilometer konnte ich exakt an drei Haenden abzaehlen. Ich war mit dem Endresultat zufrieden. Fuer den Abend habe ich mir eine luxurioese Unterkunft also redlich verdient. Das bedeutet: ein Campingplatz mit warmer Dusche. Dort liess ich den Tag in einer gemuetlichen Runde mit ein paar herumalbernden Japanern und Japanerinnen und einem simplen Kartenspiel ausklingen.
Der Lake St. Clair Nationalpark war mein naechstes Ziel. Dieser Park war nur ein kurzer Abstecher auf dem Weg nach Hobart, der Hauptstadt Tasmaniens. Doch dieser Nationalpark wird mir wohl in besonderer Erinnerung bleiben, denn dort machte ich eine Begegnung der besonderen Art. In dem “St. Clair See”, der den Grossteil des Nationalparkgelaendes einnimmt, leben Schnabeltiere (Werden eigentlich Schnabeltassen und Schnabelschuhe aus Schnabeltieren hergestellt?). Diese sind neben dem Ameisenigel, der mir uebrigens am Tag zuvor schon ueber den Weg lief, die einzigen Saeugetiere, die Eier legen. Diese kuriosen Tiere wollte ich mir doch einfach mal anschauen. Leider wollte sich mir jedoch kein Exemplar zeigen. Aber langweilig war mir trotzdem nicht. Als ich in Gedanken versunken herumlatschte kam etwa zwei Meter vor mir etwas aus einem Busch und kreuzte meinen Weg. Ich analysierte blitzschnell die Hauptmerkmale dieses Geschoepfes; lang, duenn, bewegt sich schlaengelnd fort; und kam zu dem Ergebnis, dass dies eine Schlange ist. Schon oft habe ich gehoert wie man sich in einer solchen Situation verhalten soll: Man soll “einfach nur” ruhig stehen bleiben. Und ich habe mich auch schon oft gefragt, ob das wirklich klappen kann. Aber etwas anderes konnte ich in diesem Moment auch garnicht machen, denn ich befand mich in einer Art Laehmungsstarre. Ich atmete erst weiter als die Schlange wieder verschwunden war. Meine erste Schlange in Australien! Ich konnte es kaum fassen.
Soeben noch als Schnabeltierjaeger unterwegs machte ich mich nun auf die Suche nach einer Schlange. Ein Foto davon sollte doch wohl machbar sein. Ich ging zunaechst ein Stueck weiter um sie in Sicherheit zu waegen. Auf dem Rueckweg bewaffnete ich mich mit meiner Videokamera und als die Schlange dann wieder kurz vor mir auftauchte war es trotzdem sehr ueberraschend. Sie versuchte zu fliehen, doch meiner Kamera konnte sie nicht entkommen. Nun fehlte nurnoch ein Beweisfoto. Ich suchte also erneut und als ich ein Stueck weiter ging tauchte sie wieder vor mir auf. Sie wollte gerade in meine Richtung, doch nun blieb sie wo sie war und schaute mich an. Es war nun wie beim Duell Torhueter gegen Linksaussen. Wer zuerst zuckt verliert. Ich verlor dieses Duell, denn ich zueckte meine Digitalkamera und hielt drauf. Die Schlange entschied sich aber nicht dafuer mich anzugreifen, sondern suchte das Weite und ich entschied mich es jetzt auch dabei zu belassen. Das foto hatte ich ja.
Auf dem Weg zum Parkplatz hielt ich nun immer sofort inne, sobald ich etwas im Augenwinkel sah, das einer Schlange aehnelte oder wenn ich ein Geraeusch hoerte. Jedes Mal hiess es aber “Fehlanzeige”. Im Besucherzentrum versuchte ich dann die Schlange zu identifizieren, doch durch die vielen Merkmale, die stark variieren koennen, gelang mir dies nicht. Ich konnte nur mit Gewissheit sagen, dass sie giftig war. Das beruhigte mich natuerlich.
Auf der Agenda des “Schlangenbaendigers” stand aber auch noch Hobart. Also machte ich mich auf den Weg. Eigentlich sollte es kein Problem sein diese Strecke innerhalb von zwei Stunden zu meistern. Doch es kam mal wieder anders. 70 Kilometer vor Hobart fiel mir bei einem Tankstopp ein merkwuerdiges Geraeusch auf, dessen Ursprung unter der Motorhaube lag. Ich konnte zwar erkennen, dass etwas mit dem Keilriemen nicht stimmte, aber alleine konnte ich das Problem nicht wirklich beheben. Ich brauchte also einen Mechaniker. Ich fragte in der Tankstelle nach und erfuhr, dass es in diesem Ort keinen einzigen Mechaniker gibt. Es gibt da aber wohl jemanden, der sich da ein bisschen auskennt. Ich folgte den Anweisungen und konnte somit auch diese Person ausfindig machen. Der Mann zeigte sich sehr hilfsbereit und schaute sich die Sache an. Letztendlich fand er auch das Problem. Eine Spule, um die der Keilriemen laeuft, musste ausgewechselt werden. Also kein grosses Ding. Aber das Ersatzteil konnte nur ein Mechaniker besorgen und solch einer konnte sich dem Problem erst am Montag annehmen. Es war samstag. Ich wuerde also fuer zwei Tage in einem kleinen Dorf festsitzen in dem es absolut gar nichts zu unternehmen gibt. Das wollte ich nicht zulassen. Ich beschloss per Anhalter nach Hobart zu fahren und zurueckzukehren, wenn das Auto wieder einsatzbereit ist. Ich packte also meine sieben Sachen und stellte mich an den Fahrbahnrand. Die Nummer mit dem Finger rausstrecken funktionierte aber nicht wirklich gut und ich dachte mir in diesem Moment, dass lange Haare und ein paar Brustimplantate nun hilfreich waeren. In einem Cafe am Strassenrand wurde ich dann aber doch noch fuendig und ich bekam nicht nur irgendeine Mitfahrgelegenheit - ich fuhr den Weg nach Hobart in einem Holden EH, Baujahr 1964. Als ich die Beifahrertuer oeffnete wurde ich sogleich stuermisch von Oscar begruesst. Der ziemlich unsuesse Hund wedelte ganz aufgeregt mit dem Schwanz und schleckte meine Hand. Eigentlich bin ich da nicht so der Fan von, aber in dem Moment war ich sehr dankbar fuer den Fahrservice nach Hobart und konnte noch einmal darueber hinwegsehen. Auch waehrend der Fahrt suchte Oscar die Naehe zu mir und klebte wie ein ABC- Pflaster in meinem Nacken waehrend er durch das offene Fenster den Fahrtwind in sein haessliches Gesicht blasen liess. Ein herrlicher Hund!
In Hobart begab ich mich erst einmal auf die Suche nach einer Unterkunft. Ich konnte ja nicht ahnen, dass ich hier ohne Auto aufkreuzen werde und somit habe ich in dieser Hinsicht auch noch nicht vorgesorgt. Die Suche nach einem Schlafplatz erwaehne ich hier nicht ohne Grund, denn diese gestaltete sich problematisch. Saemtliche Hostels waren fuer die Nacht bereits ausgebucht und ein Hotel entsprach auch nicht meinen Vorstellungen… rein finanziell. Ich schaute mich also schon einmal nach Alternativen um und stiess dabei auf ein Spielplatzhaeuschen. Zwar ohne Rutsche, aber immerhin besser als gar kein Dach ueber dem Kopf. Aber ich waere ja nicht ich, wenn ich nicht noch einen Plan B im Hinterkopf haette. Dafydd, mein ehemaliger walisischer Arbeitskollege im Outback, befand sich zur gleichen Zeit ebenfalls in Hobart und bei ihm bat ich nun um “Asyl”. Er stellte mir einen Platz auf dem Boden in seinem Hostelzimmer, das er mit seinem Vater, der zu Besuch war, teilte, in Aussicht. Ich muesse nur irgendwie unbemerkt mit meinem Gepaeck in das Hostel gelangen. Im Schutze der Dunkelheit (es war inzwischen schon fast 11 Uhr abends) und durch einen Hintereingang schaffte ich dies auch. Ich musste also nicht wie ein Penner auf einem Spielplatz oder sonstwo naechtigen. Ausserdem redete ich mir ein, dass der harte Boden auf dem ich nun schlief meine Rueckenmuskulatur staerke.
Am naechsten Morgen sicherte ich mir sogleich ein Bett fuer die naechste Nacht und hatte dabei Glueck, dass ich noch das letzte Verfuegbare bekam. Anschliessend erkundete ich Hobart und ich kann gleich sagen, dass es mich nicht gerade von den Socken gehauen hat. Es ist zwar die zweitaelteste Stadt Australiens und hat somit einige relativ alte Gebaeude und zudem einen Hafen zu bieten, aber das Landesinnere und die etwas abgelegeneren Kuestenregionen sagten mir eher zu. So schlecht wie das tasmanische Bier schnitt Hobart aber dann doch nicht ab. Ohne mir Informationen ueber moegliche gesundheitliche Folgeschaeden einzuholen orderte ich am Abend ein frisch gezapftes “Bier” und erfuhr gleich im Anschluss ein desastroeses Geschmackserlebnis. Ich kam mir vor als haette ich das exklusive Recht die erste Testperson fuer ein frisch entwickeltes Medikament sein zu duerfen. Es schmeckte einfach nur chemisch.
Darueber konnten nur ein paar Pints Guinness hinweghelfen.
Am Folgetag begann eine neue Woche und auch die Automechaniker arbeiteten wieder. Das hiess fuer mich, dass die Zeit in Hobart vorbei ist und, wenn alles gut laeuft, das Auto wieder startklar ist. Dafydd und sein Vater ermoeglichten mir mit ihrem gemieteten Campervan eine kostenlose Rueckfahrt nach Hamilton, wo auch schon das Auto und ein Mechaniker warteten. Innerhalb von zehn Minuten war die Sache erledigt und die Fahrt konnte weitergehen. Bitter war nur der Beigeschmack, den die Rechnung hinterliess. Ausserdem musste ich durch die verlorene Zeit bei meinem weiteren Reiseplan Abstriche machen und somit fuhr ich nicht zum historisch gesehen interessantesten Ort Tasmaniens. Das ehemalige Gefaengnis in Port Arthur. Dafuer fuhr ich direkt an die Ostkueste und quartierte mich in der Naehe eines sehenswerten Nationalparks ein. Dort gab es dann wieder feinstes Dosenfutter und der Schlafplatz war auch schnell gefunden. Ein kleiner Hafen erschien mir da als ideal. Bevor ich zu “Bett” ging schaute ich mir aber noch ein allabendliches Spektakel an. An diesem Kuestenabschnitt kommen puenktlich bei Einbruch der Dunkelheit Pinguine an Land und versorgen ihre Nachkoemmlinge, die sich tagsueber zwischen Steinen und in kleinen Hoehlen verstecken, mit Nahrung. Das scheint sich herumgesprochen zu haben und so dauerte es eine gefuehlte Ewigkeit bis sich die kleinen Pinguine einen Weg durch die Zuschauermenge bahnen konnten. Das war schon ganz interessant, aber irgendwann war ich auch muede und kletterte in den Kofferraum.
Am naechsten Tag war es nur eine recht kurze Strecke zum Nationalpark, doch diese gab mir die Gelegenheit etwas von dem, was ich bei den Problemen mit dem Auto bekommen habe, zurueckzugeben. Kurz nachdem ich wieder im Strassenverkehr eingriff erblickten meine wachen Augen drei junge Australierinnen am Strassenrand, die aussahen als wenn sie Hilfe benoetigen. Ich hielt an und sie fragten ob ich sie ein Stueck mitnehmen kann. “Klar”, dachte ich mir und sagte: “Klar.” Eigentlich ganz schoen leichtsinnig ganz alleine einfach so drei fremde Leute mitzunehmen. Aber ich blieb gluecklicherweise von einem Ueberfall verschont 
Zwar trennten sich unsere Wege schon nach weniger als zwanzig Kilometern, aber immerhin hatte ich anschliessend ein gutes Gewissen. Und so schloss sich fuer mich der Kreislauf vom Mitnehmen und mitgenommen werden.
Fuer mich ging es dann zum Freycinet Nationalpark, der einen der zehn weltweit schoensten Straende zu bieten hat. Das sagen zumindest die Schilder. Und ich sage, dass es hinkommen koennte. Dieser ?,? Kilometer lange, sichelfoermige Sandstreifen liegt in der Wineglass Bay, die in dicht bewachsenes Gebirge eingebettet ist. Das tuerkise Wasser ist selbstverstaendlich. Auf dem Weg zum Strand traf ich erneut auf eine Schlange. Diese war jedoch etwas kleiner, aber trotzdem giftig. Da ich ja nun ein Routinier in Sachen Schlangen war steckte ich mir eine Zigarette an und schaute der Schlange zu wie sie sich unter einem Stein versteckte. Achja, ich bin ja Nichtraucher. Aber ich sah bestimmt trotzdem unheimlich laessig aus wie ich da so stand.
Am Strand angekommen setzte ich mich erst einmal in den Sand und fragte mich was dieser Strand hat, was der Strand auf Norderney nicht hat. Ich kam zunaechst nicht drauf, aber dann pirschte sich hinter mir ein Wallaby heran und nun fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Das war das perfekte Bild von Australien. Ein Wallaby und im Hintergrund ein wunderschoener Strand mit tuerkisem Wasser. Ich versuchte noch ein paar Bikinischoenheiten davon zu ueberzeugen, dass sie das Bild aufwerten wuerden, aber letztendlich posierte nur das Wallaby fuer ein Foto.
Nach einer Erfrischung im ueberraschend kuehlen Meer fuhr ich wieder zurueck in den Ort, wo ich auch schon die Nacht zuvor verbracht habe. Dort gibt es etwa 200 Meter vom Strand entfernt eine kleine Insel, die man bei Ebbe zu Fuss erreichen kann. Da ich gerade nichts besseres zu tun hatte schaute ich mich dort ein bisschen um und traf auf ein paar Pinguine, die sich in ihren kleinen Hoehlen versteckten und einen merkwuerdigen alten Mann, der nach kleinen Muscheln suchte, die man zu Halsketten und Armbaendern weiterverarbeiten kann. “Die australische Version vom Pfandsammeln”, dachte ich mir. Bevor die Flut zurueck kam machte ich mich mich wieder auf den Weg zum Festland und bereitete mein Nachtlager vor. Der Platz am Hafen hat sich bewaehrt und somit “hausierte” ich dort ein weiteres Mal.
Mein vorletzter Tag auf Tasmanien fuehrte mich weiter an der Ostkueste entlang und den ersten Stopp machte ich an einem der Top- Straende der Insel. Die Sonne brannte (spaeter erfuhr ich, dass es der heisseste Tag auf Tasmanien seit acht Jahren war) und das Meer lud zum Schwimmen (oder baden… schwimmen find’ ich nicht so gut ;)) ein. Ich verspuerte jedoch keine besonders grosse Lust und auch ansonsten hielten sich die Leute am Strand eher zurueck. Vielleicht lag das daran, dass drei Tage zuvor eine Surferin mit ihrem Bein in das Maul eines Hais hineingeschwommen ist!? Sie ueberlebte aber und deshalb vermutete ich, dass es eher an der Sternenkonstellation liegt.
Ich stieg also auch bald schon wieder in den Wagen und fuhr zur “Bay of Fires”. Diese Kuestenregion ist einer der bekanntesten “Geheim”tipps Tasmaniens. Hier findet man viele relativ leere Straende, die durch rot leuchtende Felsen voneinander getrennt sind und wahrscheinlich gibt es auch den ein oder anderen schoenen Wanderweg. Dafuer war ich an diesem heissen Tag aber zu faul. Da ich nun zu faul zum Wandern war hatte ich noch mehr Zeit uebrig als erwartet. Ich schaute also wo ich noch hinfahren koennte und dachte mir, dass sich einer der hoechsten Wasserfaelle Tasmaniens (90 Meter) ganz gut anhoert. Ich fuhr hin, schaute ihn mir an, las mir die Infoschilder durch, machte zum Abschluss ein paar Fotos und ging wieder zurrueck zum Auto. Umgehauen hat mich der Wasserfall nicht gerade. Da gefiel mir das Brot mit Thunfisch schon viel besser. Ich hatte immer noch genuegend Zeit um irgendetwas zu unternehmen. Ich beschloss nun noch ein Stueck weiter in den Nordosten zu fahren und mich dort ein wenig umzuschauen. Irgendwann erreichte ich dann ein Dorf von dem aus ich auf die Strasse kam, die mich wieder an die Kueste fuehrte. Die Sache war nur, dass es wieder eine unbefestigte Strasse war und der aufmerksame Leser weiss bestimmt noch was beim letzten Mal passiert ist. Aber ich stellte mich der Herausforderung und wollte auch nicht zulassen, dass sich eine Phobie vor unbefestigten Strassen entwickelt
Der Zustand der Strasse war jedoch so schlecht, dass ich nur im Schneckentempo voran kam. Aber ich hatte ja jetzt ein Ziel und wollte auch nicht wieder umkehren. Ich fuhr also, und fuhr, und fuhr. Irgendwann kam ich dann auch mal an und war froh, dass das Auto noch nicht den Geist aufgegeben hat. Ich stellte mir jedoch die Umgebung ein bisschen schoener vor und trat somit auch schon bald wieder den Rueckweg an. Die ganze Schotterpiste also wieder zurueck…
Nach dieser Enttaeuschung wollte ich aber wenigstens noch einen gelungenen Abschluss des Tages und fuhr zur zweitgroessten Stadt Tasmaniens, Launceston. Dort konnte ich mich zwar nur kurz umschauen, da es schon bald dunkel wurde und ich ja noch einen Schlafplatz brauchte, aber hier gefiel es mir auf Anhieb schon besser als in Hobart. Ich weiss auch nicht wirklich woran es lag, aber ich spuerte es
Es lag aber bestimmt nicht an der Brauerei, die sich im Stadtzentrum befindet. Diese Brauerei ist naemlich der Ursprung allen Uebels, das mir abends in Hobart wiederfahren ist. Ich verzichtete also auf die Brauereibesichtigung am naechsten Tag und schaute mir lieber einen Naturpool an, der in einer Schlucht am Stadtrand liegt. Die Hauptintention war dabei, dass es dort eine kostenlose Dusche fuer mich geben muesse. Die brauchte ich naemlich nach dem gluehend heissen Vortag und ich wurde auch nicht enttaeuscht. Jetzt versuchte ich noch die letzten Stunden auf Tasmanien sinnvoll zu nutzen. Ich schaute mich also ein wenig in der von meinem Reisefuehrer angepriesenen Weinregion Tasmaniens um. Ich fuhr also an einem Fluss entlang und stellte mir vor wie ich mich auf einer Kaffeefahrt entlang der Mosel befinde. Der Klassiksender im Radio haette das Ganze zwar noch unterstrichen, aber das tat ich mir dann doch nicht an. Der Hauptgedanke, den ich dabei im Kopf hatte war: “Wieso gibt es das ganze nicht genau so, nur mit Bier? Mit Bierproben und allem drum und dran.” Aber dann nur in Deutschland, wo man nicht befuerchten muss, dass man vom Bier krank wird 
Von dort aus war es auch nicht mehr weit bis nach Devonport, wo mein schoener, aber auch manchmal nervenaufreibender Urlaub dann auch endete und die Spirit of Tasmania sich wieder auf den Weg nach Melbourne machte.
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Das wars dann auch schon von meinem Trip nach Tasmanien. Ich hoffe es war nicht zu langweilig oder zu “gruselig” fuer Euch 
Ich schaue jetzt mal welchen Bericht ich als naechstes schreibe. Ihr koennt mir ja sagen ob Ihr lieber was ueber Krokodile oder Haie lesen wollt 
Fuer mich wird es jedenfalls als naechstes fuer zweieinhalb Wochen nach Asien gehen. Ich weiss auch noch nicht wie da fuer mich die Moeglichkeiten sind ins Internet zu gehen. Aber es dauert ja sowieso immer ein bisschen bis der naechste Bericht online ist
Na gut, dann sag ich einfach mal bis dann! (Ein paar Fotos gibts auch mal wieder)
Liebe Gruesse,
Tobi


























